Tipps des Kneipp-Bund e.V.

Aloe

Heilkundige kennen Aloe schon lange als Hausmittel. Sie legen den Milchsaft bzw. das Mark aus den fleischigen Blättern auf Schnitt- oder Brand­verletzungen – einschließlich Sonnenbrand –, behandeln
mit dem „Gel“ .... weiterlesen


Anis

Der Anis ist eine beliebte Pflanze mit einer eigenwilligen Geschmacksnote und bekömmlicher Wirkung auf den Magen. Daher gibt es auch .... weiterlesen


Arnika

Nicht erst Sebastian Kneipp (1821 – 1897) entdeckte die Wirkungen der hübschen Pflanze, deren gelbe, sternförmige Blüten für die Wundheilung verwendet werden. Ob Sie sich gequetscht, geprellt, verstaucht oder verbrannt haben: Mit Arnikasalbe nimmt Ihre Wundheilung .... weiterlesen


Baldrian

Seine Blüten haben etwas lichtes, leichtes, freundliches an sich. So war im Mittelalter sein Einsatzgebiet klar. Der Baldrian sollte gegen alles kämpfen, was vom Teufel kommt: Hexen, Pest und .... weiterlesen


Bärlauch

Bärlauch, volkstümlich als "Wilder Knoblauch" bekannt, wirkt schwach gefäßerweiternd und sorgt für bessere Fließeigenschaften des Blutes .... weiterlesen


Birke

Ihr Beiname „Nierenbaum“ sagt schon fast alles aus über das Einsatzgebiet der Birkenblätter in der Naturheilkunde. Sie entwässern, regen auf verträgliche Weise die Nierenfunktion an, fördern auch den Stoffwechsel und entfernen ... weiterlesen


Brennnessel

„Die Brennnessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert“, befand nicht erst Sebastian Kneipp (1821 bis 1897). Er hing – wie auch die akademische Ärzteschaft seiner Zeit – noch der Vorstellung von der „Blutreinigung“ an. Auch wenn wir heute .... weiterlesen


Brunnenkresse

Katarrhe der Atemwege, Verdauungsstörungen, Probleme mit der Gallenblase, Appetitlosigkeit - hier hilft die Brunnenkresse mit ihrem hohen Gehalt an schleimlösenden und bakterienhemmenden und recht bitter schmeckenden Senfölglykosiden. Sie soll auch belebend auf Leber, Galle und Nieren wirken und .... weiterlesen


Eibisch

Eine Zierde für jeden Garten - der Eibisch aus der Familie der Malvengewächse ist wunderschön anzuschauen. Doch neben den optischen Reizen verfügt die Pflanze über eine Vielzahl günstiger Eigenschaften. Vor allem die menschlichen Schleimhäute .... weiterlesen


Eisenkraut

Das Eisenkraut ist eine altbekannte Kult- und Heilpflanze (in Süddeutschland und der Schweiz besser bekannt als Verbene). Während sie in grauer Vorzeit .... weiterlesen


Eukalyptus

Eukalyptus - Jeder kennt die scharfen Hustenbonbons, kaum jedoch jemand den Baum, der diesen Geschmack liefert. Dabei lieben Südländer den bis zu 40 Meter hohen Baum keineswegs nur wegen seiner Duftstoffe: Er ist mit den immergrünen länglichen Blättern und den tiefen Altersfurchen in der Rinde durchaus ein hübsches Ziergewächs. Mit Einschränkungen .... weiterlesen


Fenchel

Mit Kümmel und Anis hat er so einiges gemeinsam, neben der weitläufigen botanischen Verwandtschaft vor allem die entblähende und krampflösende Wirkung seines Samens. Anders als bei seinen beiden Cousins ist .... weiterlesen


Ginkgo

Die aus den Ginkgo-Blättern gewonnenen Extrakte können in verschiedenen Bereichen Anwendung finden - die Extrakte zählen nach der Klassifikation der WHO zu den Antidementiva. So werden hirnorganisch bedingte Leistungsstörungen .... weiterlesen


Ginseng

Kräftigung und Stärkung - Die Ginsengwurzel verfügt über eine Vielzahl gesundheitsförderlicher Aspekte. Ginseng als pflanzliches Arzneimittel wirkt präventiv .... weiterlesen


Hagebutte

Junggebliebene Gemüter lieben diese Frucht wegen ihrer schlichten Form und sanftroten Farbe und sehen darin ein Symbol für die Wunder der Natur. Denn im Frühling ist diese Pflanze .... weiterlesen


Heusack

"Heusäcke" sind eigentlich eher Heu-Kissen. Es gibt sie fertig zu kaufen (beispielsweise beim Kneipp-Bund, vielleicht aber auch beim Bio-Bauern oder einem guten Apotheker in Ihrer Nähe). Die Wirkung entsteht zum einen durch die Wärme, zum anderen durch die ätherischen Öle der Blumen und .... weiterlesen


Holunder

Immunstärkende Wirkung wird dieser Pflanze zugesprochen, vielleicht weil ihre Blüten so reich an Vitaminen und Spurenelementen sind und einem den Schweiß heraustreiben. Daher kurieren sich auch frisch Erkältete gerne durch ihren Tee. Die Beere wiederum wird als leichte und frische Geschmacksnote vieler Tees eingesetzt, in Limonaden .... weiterlesen


Hopfen

Immunstärkende Wirkung wird dieser Pflanze zugesprochen, vielleicht weil ihre Blüten so reich an Vitaminen und Spurenelementen sind und einem den Schweiß heraustreiben. Daher kurieren .... weiterlesen


Ingwer

Die Wurzeln des Ingwers enthalten zahlreiche wertvolle Wirkstoffe wie Vitamin C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor. Ingwer hilft bei Übelkeit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl und .... weiterlesen


Johanniskraut

Selbst normale Mediziner setzen Tee, Saft, Tabletten oder Tropfen bei leichten bis mittleren Depression ein, wissen aber um den Zeitverzug: Johanniskraut braucht mindestens drei bis sechs Wochen, bis es wirkt. Bei Wechseljahresbeschwerden .... weiterlesen


Kamille

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) fand freundliche Worte für die Kamille, denn das kleine unscheinbare Pflänzchen wirkt vielseitig und umfassend. Hier wollen wir nur eine der vielen Einsatzmöglichkeiten beschreiben: Kamillentee lindert .... weiterlesen


Knoblauch

Es soll noch immer Zeitgenossen geben, die die Nase über ihn rümpfen. Kneippianer tun es im Allgemeinen nicht - sie wissen, dass der Knoblauch kostbares Nähr- und Heilmittel für den ganzen Menschen ist. Die scharfen Zehen sind nämlich nicht nur .... weiterlesen


Lavendel

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) befand, die Pflanze oder zumindest das Öl aus den Blüten gehöre in jede Hausapotheke. Verwendet wird der blaue bis violette Lavendel gegen Stressfolgen wie Unruhe und Nervosität, Schlafstörungen, nervöse Magen-/Darmbeschwerden und Kopfschmerzen .... weiterlesen


Lindenblüte

Bereits Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) bedauerte, dass junge Leute kaum noch Lindenblüten sammeln, und setzte auf die Schweiß treibende Wirkung eher der Dämpfe als des Tees. Er fand nämlich, dass .... weiterlesen


Löwenzahn

Seine Bitterstoffe fördern den Appetit und treiben Galletätigkeit und Magen­saft­produktion an. Weitere Stoffe aus dem Löwenzahnblatt erhöhen die Wasser- und Salzausscheidung über die Niere. Somit .... weiterlesen


Melisse

Wem Stress und Sorgen nicht nur aufs Gemüt, sondern auf Herz oder Magen schlagen, der ist mit dieser Pflanze richtig bedient. Ganz besonders, wenn er nicht krank ist, sondern eher nervös oder traurig. Auch wer aus Gründen wie .... weiterlesen


Petersilie

Heute streuen wir ja die Blätter dieser Pflanze ohne Hintergedanken in jedes klassisch deutsche Mittagsgericht. Aber noch vor 500 Jahren galt sie weniger als Würzmittel, spielte vielmehr eine Rolle als recht widersprüchliche Requisite der Erotik: die Petersilie. .... weiterlesen


Pfefferminz

Sie ist ein wahrer grüner Goldschatz unter den Kräutern, vielseitig und mit einer frischen, belebenden Ausstrahlung. Wir Europäer schätzen den sauberen Ge­schmack im Tee, die Marokkaner haben sogar ein Nationalgetränk draus gemacht und würzen .... weiterlesen


Ringelblume

Diese kleine und unscheinbare Blume ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch natürlicher Balsam für die gestresste oder spröde Haut. Es gibt sie in der klassischen Gänseblümchenform oder gefüllt, und die kräftige Farbe zwischen zitronengelb und Sonnen-Orange inspirierte in alten Zeiten die Mädchen, die Blüte .... weiterlesen


Rosmarin

Eine Heilpflanze mit einer so stärkenden und vielseitig wohltuenden Wirkung darf natürlich in keiner Hausapotheke fehlen, fand nicht erst Sebastian Kneipp (1821 – 1897). Der kluge „Wasserdoktor“ setzte Rosmarin als Magenmittel und zur Herzstärkung ein. Beides tun .... weiterlesen


Rotklee

In der Naturheilkunde wird der Rotkleetee gegen Schnupfen, Husten (auch Keuchhusten) und Bronchitis getrunken. Verwendet werden dafür die Blüten. Bei Halsschmerzen und Wundstellen im Zahnfleisch hilft ... weiterlesen


Salbei

Mit seinen Bitterstoffen und etherischen Ölen wirkt Salbei bei Völlegefühl, Blähungen, Entzündungen in Mund, Rachen, Magen und Darm. Er bekämpft Bakterien, Pilze und Viren, fördert die Schleimlösung .... weiterlesen


Schlehdorn

Auf dem Lande kennen ihn die Menschen als prächtigen Vorboten des Frühlings am Wegesrand und als gefällige Heckenpflanze. Früher erntete man die weiße Blütenfülle im März/April und verwendete sie zur „Blutreinigung“. Ein Verfahren, das unter diesem Namen aus der Mode gekommen ist, heute würde man vielleicht eher sagen: „Anregung der .... weiterlesen


Schlüsselblume

Die Blüten mit ihren lieblichen Kelchen verbreiten Schönheit und bergen Heilkraft, die Wurzeln fahren jedoch die stärkeren Geschütze auf, und zwar gegen Lungen- und Bronchienkrankheiten. Sie regen die Verflüssigung von Schleim an .... weiterlesen


Spitzwegerich

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) lobte die Fertigkeiten der Spitzwegerichblätter in der Wundheilung, fügte aber hinzu: „Die Wirkung dieser Pflanze nach innen ist nicht minder vorteilhaft.“ Daher gibt es viele Hustensäfte, die Spitzwegerich enthalten. .... weiterlesen


Tausendgüldenkraut

Bei Heilkundigen genießt das Enziangewächs einen guten Ruf als Bitterpflanze, die nicht nur den Magen, sondern den ganzen Menschen anregt. Dabei entfaltet sie ihr wahres Wesen .... weiterlesen


Thymian

Ob Bronchitis, Husten, Keuchhusten oder Katarrhe der oberen Luftwege: Hier wirkt Thymianlösung krampf- und schleimlösend. Als Gurgelmittel hemmt und desodoriert er Entzündungen in .... weiterlesen


Wacholder

Die Wacholderbeere wirkt harntreibend, indem sie die Durchblutung der Nieren fördert. Sie ist nicht giftig, trotzdem muss man nicht gleich – wie es die Leute früher taten – bis zu 30 Beeren am Tag schlucken, um Krankheitserreger abzuwehren oder den Stoffwechsel anzukurbeln .... weiterlesen


Walnuss

Das fette Walnussöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren. Diese sollen den Feststoffwechsel günstig beeinflussen. Walnüsse sind aber auch sehr sättigend. So ist das abendliche Nüsseknacken für die Linie
.... weiterlesen


Weide

Angesagt ist ein Weidenrindentee bei Kopf-, aber auch anderen Schmerzen, beispielsweise wenn man bei Grippe oder Fieber das Gefühl hat,
einfach alles tut weh, oder bei entzündlich verursachten – etwa rheumatischen oder gichtigen – Beschwerden oder den klassischen chronischen Spannungsschmerzen .... weiterlesen


Weissdorn

Weißdorn – in Form von verarbeiteten Blüten, Blättern und Früchten - steigert einerseits die Kontraktionskraft des Herzens und erweitert andererseits die Gefäße, so dass der Herzmuskel mitsamt den Herzkranzgefäßen besser durchblutet wird. Darüber hinaus .... weiterlesen



Aloe

Wunderbare Wundheilerin

Sie ist trendy geworden, seit Kosmetikfirmen ihre lindernde und wohltätige Wirkung auf die Haut entdeckt haben. Shampoos, Masken, Lotionen und Cremes, aber auch Nahrungsergänzungsmittel für die innerliche Anwendung stehen hoch im Kurs, und die Firmen preisen die vielfältige Wirkung von über 200 enthaltenen Wirkstoffen der Wüstenpflanze. Eigentlich wissen es kluge Frauen jedoch schon seit Jahrtausenden: Nofretete soll die Aloe zur täglichen Pflege benutzt und Cleopatra ihren Julius Cäsar durch aloe-gepflegte Schönheit bezirzt haben. Mediziner aus aller Welt schätzen das Innenleben der unscheinbaren Pflanze als Top-Wundheilmittel, von problematischen Wunden geheilte Patienten preisen sie zuweilen als Top-Wunder-heilerin. Die industrieelle Herstellung von Produkten aus frischem Aloe-Gel ist relativ neu. Sebastian Kneipp (1821-1897) kannte Produkte aus den getrockneten Blättern, die vor allem abführende Anthracinone enthalten. So verwendete Kneipp dieses Mittel auch zur „Blutreinigung“.

Unser Tipp: Aloe

Heilkundige kennen Aloe schon lange als Hausmittel. Sie legen den Milchsaft bzw. das Mark aus den fleischigen Blättern auf Schnitt- oder Brandverletzungen – einschließlich Sonnenbrand –, behandeln mit dem „Gel“ außerdem Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, Sehnenentzündungen, Fußpilz, Insektenstiche, Akne, Neurodermitis, Schuppen und Schuppenflechte sowie schlecht heilende Narben.

Weitere Anwendungsbereiche sind Arthritis, Rheuma, Gicht, Rücken- und andere Schmerzen. Außerdem gibt es – auch das bereits nicht erst seit Kneipps Zeiten – noch den Extrakt für die innerliche Anwendung, etwa bei Problemen des Magens, der Niere und der Bauchspeicheldrüse oder einfach als eine Art Allgemeinzustands- oder Zellschutzverbesserer, z.B. bei Aids. Stichhaltige Beweise für diese Wirkung per innerlicher Verabreichung ist die Wissenschaft bisher schuldig geblieben, und so könnte es durchaus schaden, wenn man zu lange zu viel davon einnimmt. Mit oder ohne Nachweis: Schaden wird die Beigabe der Aloe in der Zahncreme nicht; man glaubt, dass die Pflanze Paradontitis vorbeugt.

Einig sind sich jedoch alle Fachleute einschließlich der WHO, dass der Saft aus den zwischen August und Oktober gesammelten Aloe-Blättern der Wundheilung förderlich ist. So verdient Frauenliebling Aloe allseits das Prädikat „wertvoll für die Haut“ und kann von Kranken und Gesunden in diesem Einsatzgebiet ohne Einschränkungen empfohlen werden.

„Wunden, frische wie alte, heilt Aloe sehr schnell zu.
Bei alldem kann das reinliche und reinigende Heilmittel,
wohin es immer komme (in das Auge oder in die Wunde),
niemals schaden.“ -
Sebastian Kneipp


Tipp am (Weges-)Rande:
Bescheidenheit ist eine Zier: Die Aloe sieht aus wie ein Kaktus, ist aber ein Liliengewächs.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde - Universitätsspital Zürich

Anis

Gewürz mit Lebensart und krampflösender Wirkung

Ouzo in Griechenland, Raki in der Türkei, Pastis in Frankreich: Der Anis ist eine beliebte Pflanze mit einer eigenwilligen Geschmacksnote und bekömmlicher Wirkung auf den Magen. Daher gibt es auch alkoholfreie Varianten und Produkte. So kennen ihn die Bäcker als Brotgewürz und Italienreisende im Plätzchen, wie es zum Espresso gereicht wird. Therapeutisch wird das Öl aus den Früchten verwendet, aber auch die getrockneten Früchte selbst.

Unser Tipp: Anis

Anis löst Krämpfe, Schleim und Sekrete und bewährt sich daher als milder und angenehmer Nothelfer bei Magenkrämpfen und Blähungen, weshalb auch Sebastian Kneipp (1821 – 1897) ihn gerne seinen Patienten verschrieb. (1,5 Gramm oder einen Teelöffel Trockenfrüchte auf eine Tasse Wasser, zehn Minuten oder länger ziehen lassen). Auch bei Infekten der oberen Atemwege kommt er zum Einsatz. Sein süßer Geschmack empfiehlt ihn auch für Kinder.

Äußerliche Anwendung ist durchaus angesagt, wenn eine Erkältung gerade beginnt: Inhalieren Sie zwei bis höchstens fünf Tropfen im heißen Wasser oder reiben Sie die Brust mit Anissalbe ein. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten! Anis verträgt sich gut mit anderen Pflanzenmitteln und kommt daher in vielen handelsüblichen Hustenmitteln vor. Reines Anisöl hingegen wird wegen giftiger Bestandteile und Gefahren durch Überdosierung nicht mehr empfohlen.

Wegen der besseren Erträge hat der Sternanis aus China die frühere auch in Deutschland heimische „Pimpinella anisum“ schon weit gehend vom Markt verdrängt. Die Wirkstoffe sind fast die gleichen.

„Da das ätherische Öl neben der Ausscheidung über Haut und Nieren
auch über die Lunge austritt, werden auch die Bronchialdrüsen angeregt.
In der Mischung mit Lungekräutern (Spitzwegerich, Huflattich)
wirkt Anis lösend auf zähen Bronchialkatarrh und günstig auf Krampfhusten“. - Sebastian Kneipp

Tipp am (Weges-)Rande:
Anis wächst heute in unseren Breitengraden nur in Gärten, kaum in freier Natur. Schwangere sollten ihn meiden oder auf jeden Fall vor innerlicher oder äußerlicher Anwendung erst ihren Arzt fragen.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde
Universitätsspital Zürich

Arnika

Blumiges für Ihre verletzte Haut

Nicht erst Sebastian Kneipp (1821 – 1897) entdeckte die Wirkungen der hübschen Pflanze, deren gelbe, sternförmige Blüten für die Wundheilung verwendet werden. Ob Sie sich gequetscht, geprellt, verstaucht oder verbrannt haben: Mit Arnikasalbe nimmt Ihre Wundheilung Tempo auf. Blutergüsse, Zerrungen, Muskelrisse, Verstauchungen werden traditionell mit Arnika bzw. ihrer Zubereitung behandelt, dabei wird das Anschwellen vermindert. Sogar manche rheumatischen Beschwerden lindert die hübsche Blume.

Unser Tipp: Arnika
Zum Einreiben bei Gelenkschmerzen und Rheumatischen Beschwerden wird Arnika-Öl verwendet, für Verletzungen (Vorsicht, nicht frische blutende Wunden!) die Salbe oder Gel. Stark verdünnte Tinktur. ist auch für Umschläge geeignet.

Kneipp: „Arnika besitzt in der ganzen Welt den Ruf einer vorzüglichen Heilpflanze.“

Tipp am (Weges-)Rande: Arnika ist Bestandteil einiger Rheuma-Pflaster (ABC) und Einreibemittel (Dolo-cyl-Öl), die Muskelschmerzen vorbeugen bzw. lindern.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke

Baldrian

Nervenschmeichler aus der Natur

Seine Blüten haben etwas lichtes, leichtes, freundliches an sich. So war im Mittelalter sein Einsatzgebiet klar. Der Baldrian sollte gegen alles kämpfen, was vom Teufel kommt: Hexen, Pest und böse Geister. Heute hat man es ja nicht mehr so mit dieser schwarzweißen Weltsicht. Aber auch die wissenschaftlicher geprägte moderne Welt gesteht dem Baldrian hervorragende Eigenschaften zu. Beruhigend, aber nicht schläfrig machend, so urteilen nicht nur Naturheilkundler. Mit anderen Worten: ausgleichend. Was sogar bedeuten kann, dass man bei Erschöpfung mit seiner Hilfe einen besseren Antrieb bekommt, wenn man wieder besser geschlafen hat. So ist der Baldrian nach wie vor eine gefragte heimische Heilpflanze. Für phytotherapeutische Verwendung werden im September die Wurzeln gesammelt und entweder Tees, Pflanzentinktur oder kompliziertere Formen wie Dragees, Tabletten und Kapseln hergestellt.

Unser Tipp: Baldrian

Drei Einsatzgebiete kennen wir für den Baldrian: nervöse Erregungszustände, nervöse Schlaflosigkeit und nervöse Herzbeschwerden. Dabei hat er den Vorteil, dass er die Reaktionsfähigkeit oder geistige Leistungsfähigkeit nicht herabsetzt – das heißt, wenn Sie mit dem Auto zu einer Prüfung fahren, vor der Sie Angst haben, dürfte Baldrian das Mittel Ihrer Wahl sein (Ausprobieren empfiehlt sich allerdings immer! Jeder reagiert anders). Je nach dem lässt sich das Mittel bestens kombinieren. Geht es um Nervosität schlechthin, passt die Melisse, zum besseren Schlaf wäre Hopfen die bessere Wahl und bei Angst käme Lavendel in Betracht.

So oder so: Baldrian, Melisse und Hopfen gelten als „Stresskiller“.

„Baldriantee beeinflusst das Nervensystem und wirkt (...) besonders auf seelische Erregungszustände beruhigend. Weit geschätzt ist die Verwendung als Schlafmittel, besonders wenn die Schlaflosigkeit eine Folge von Übermüdung und Erschöpfung ist.“
Sebastian Kneipp


Tipp am (Weges-)Rande:
Katzen und Kater benehmen sich beim Geruch trocknender Baldrianwurzeln hemmungslos daneben. Auf sie soll der Geruch – den der Mensch normalerweise nicht gerade schätzt – sexuell anregend wirken; tatsächlich setzt so mancher Katzenbesitzer die Tinktur ein in der Hoffnung, sein Haustier werde dadurch mal ein bisschen lebhafter. Von derartigen Therapien raten Tierärzte jedoch ab. Baldrian setzt die Samtpfoten nämlich nicht nur unter Strom, sondern auch unter Stress, und das könnte auf Dauer schädlich sein.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde - Universitätsspital Zürich

Bärlauch

Immer der Nase nach – frisch ist er am nützlichsten

Er ist in jüngerer Zeit in Mode gekommen – von drei Sternen aufwärts - und breitet sich auch in freier Natur wieder aus, so dass Sie ihn in den nächsten Wochen nicht nur im Laubwald, sondern auch auf den Märkten im Angebot finden. Obwohl seine Blätter aussehen wie die des Maiglöckchens – der Duft hat überhaupt nichts Ähnliches, sondern gleicht dem seines Verwandten, des Knoblauchs. Ebenso wie er empfiehlt sich der Bärlauch als schmackhafte Ware für die Frühjahrsküche. Nur frisch muss er sein, auch um seine heilenden und vorbeugenden Fähigkeiten zu entfalten, denn beim Trocknen oder Erhitzen verliert er seine wirksamen Stoffe. So kann man ihn uneingeschränkt als gesunde Speise zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit empfehlen. Als Gewürz in Suppen, Geschmacksgeber im Frühlingsquark, als Gemüse zur Kartoffel oder Zutat im Pesto zur Pasta bilden die Blätter - später im Jahr die Zwiebeln - eine feine Bereicherung des Frühlingsspeisezettels.

Unser Tipp: Bärlauch

Bärlauch, auch „Wilder Knoblauch" genannt, passt gegen alles, was man so volkstümlich „Zivilisationskrankheiten“ nennt: Magen- und Darmbeschwerden, Bluthochdruck, Rheuma, Arteriosklerose, einen hohen Cholesterinspiegel, sowie Hautflechten und Wurmbefall. Er wirkt schwach gefäßerweiternd und sorgt für bessere Fließeigenschaften des Blutes. Auch senkt er Gärung und Fäulnis im Darm und beeinflusst die Drüsen- und Verdauungstätigkeit positiv. Er entlastet also den Magen-/Darmtrakt und wirkt „blutreinigend“ (heute würde man sagen: Stoffwechsel fördernd). Damit es gegen Verstopfungen und dergleichen hilft, ist höhere Dosierung als beim Knoblauch nötig.

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) schrieb, dass allen Beschwerden zum Trotz oft der Magen nicht wirklich krank, sondern überfordert sei:

„Bald wird er belästigt durch Mangel (...);
noch mehr aber durch Überfüllung, Fraß und Völlerei.
Wie viel muß er aufnehmen, was dem Gaumen behagt, dem Magen aber schadet!“Sebastian Kneipp

Tipp am (Weges-)Rande:
Riechen Sie genau hin, wenn Sie Bärlauch-Blätter pflücken. Die Verwechslung ist gefährlich, denn Maiglöckchenblätter sind giftig. Und übrigens: Räubern Sie nicht zu viel davon in der Natur, lassen Sie die Heil-, Würz- und Gemüsepflanze in Ruhe sich ausbreiten.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde
Universitätsspital Zürich

Birke

Nierenstützer von innen, Hautschmeichler von außen

Kinder lieben sie, weil man sich die papierartige Rinde so schön leicht merken und sie also mühelos von anderen Bäumen unterscheiden kann; Erwachsene lieben ihre Biegsamkeit und das flirrende Licht in ihrem hellen smaragdfarbenen Schatten – oder hassen sie, weil sie auf die Pollen allergisch sind. Leider nimmt die Anzahl dieser Menschen immer mehr zu. Tatsache ist jedoch, dass die Birken nicht nur dem Schamanen der Tundra, sondern auch dem Arzt unserer Breitengrade als Heilmittel bekannt ist.

Unser Tipp: die Birke
Ihr Beiname „Nierenbaum“ sagt schon fast alles aus über das Einsatzgebiet der Birkenblätter in der Naturheilkunde. Sie entwässern, regen auf verträgliche Weise die Nierenfunktion an, fördern auch den Stoffwechsel und entfernen Bakterien im Rahmen einer Durchspülung aus den Harnwegen, etwa bei Blasenentzündungen. Daher ist Birke oft Bestandteil von Fertig-Blasentees. Aber auch gegen Nierengrieß wird sie verwendet, auch vorbeugend. So gibt es viele mit anderen Kräutern kombinierte Nieren- und Blasen-Tees, -Säfte, -Lösungen und -Tinkturen. Hier machen die Patienten leider oft den Fehler, zwar den Tee zu trinken, aber nichts sonst. Wichtig zu wissen: Wer harntreibende Mittel nimmt, sollte mit ausreichend Flüssigkeit spülen.
Zweites Einsatzgebiet der Birkenblätter ist die äußerliche Anwendung: Salben, Badezusätze, Öle und Haarwasser sollen Haare wieder sprießen lassen (was nicht bewiesen ist), Wunden und Hautekzeme heilen und rheumatische Beschwerden lindern (was andere Pflanzen besser können).

„Auch unsere Voreltern wussten den frischen Birkensaft
recht wohl zu schätzen und verwendeten ihn
bei den sogenannten Frühlingskuren als blutreinigendes Mittel.“
(Sebastian Kneipp, 1821 bis 1897)

Tipp am (Weges-)Rande: Die Birke hat in Europa und Russland eine ruhmreiche Tradition als Frühlingsbaum, Fruchtbarkeits- und Lichtsymbol. Wer in vorindustriellen Zeiten einen Heiratsantrag plante, stellte der Liebsten in der Nacht auf den 1. Mai einen stattlichen Birkenzweig in den Garten, und das bevorzugte Holz für Baby-Wiegen lieferte damals selbstverständlich ebenfalls die Birke.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde Charité Universitätsmedizin Berlin

Brennessel

Eine Pflanze - zwei Gesichter

Bei dieser Pflanze scheiden sich die Geister. Für zart Besaitete ist sie ein widerliches Unkraut, weil sie überall wächst und wuchert, der Haut Brandblasen beschert und als Kinderschreck nichts im Garten zu suchen hat.
Kräuterexpert/innen hingegen schätzen neben der flächendeckenden Verfügbarkeit ihre vielseitigen Heilwirkungen: „Die Brennnessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert“, befand nicht erst Sebastian Kneipp (1821 bis 1897). Er hing – wie auch die akademische Ärzteschaft seiner Zeit – noch der Vorstellung von der „Blutreinigung“ an. Auch wenn wir heute die antike Säftelehre nicht mehr so vertreten und eher sagen würden, die Brennnessel rege den Stoffwechsel und besonders die Nierenfunktion an: Die Wirkung ist jedenfalls gesund, auch vorbeugend beispielswiese für Nierengrieß.

Unser Tipp: die Brennnessel

Medizinisch verwendet man überwiegend Blätter oder Wurzeln der großen Sorte. Die Blätter enthalten Mineralsalze wie Kalium, Kalzium und Kieselsäure. Das Zusammenspiel der Inhaltsstoffe der Blätter erhöht den Harnfluss, schwemmt Ödeme aus und soll die Ausscheidung von Harnsäure fördern. Sie enthält entzündungshemmende Stoffe und lindert daher rheumatischer Beschwerden. Vitamine und Spurenelemente sollen allgemein das Immunsystem stärken. Die entzündungshemmende und abschwellende Wirkung der Wurzeln macht die Brennnessel zu einem anerkannten Naturheilmittel bei Prostatabeschwerden.
Brennnesseln werden üblicherweise als Tee, Tabletten oder Frischpflanzensaft angewendet. So braut man den Tee: Zwei Teelöffel getrocknete Brennnesselblätter oder -Wurzel mit kochendem Wasser übergießen, kurz aufkochen, fünf Minuten ziehen lassen. Oder sechs 20 Zentimeter lange frische Triebe mit einem Liter Wasser kurz aufkochen und zehn Minuten ziehen lassen. „Die Brenneseln sind, nebenbei gesagt, sehr wichtig in der Heilkunde.“
Sebastian Kneipp

Tipp am (Weges-)Rande:
Friseur/innen empfehlen die Brennnessel zur Pflege der Kopfhaut bei fettigem Haar und Schuppen. Wer eine richtiggehende sechswöchige Kur mit Brennnesseltee macht, wird ebenfalls den Wellness- und Verschönerungseffekt aufs Haar entdecken.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Universitätsmedizin Berlin

Brunnenkresse

Vitaminspende: vom Bachufer frisch auf den Tisch

Sie hat etwas mit den Anhängern des Kneippschen Gesundheitskonzepts gemeinsam: Sie liebt das Wasser. Daher wächst sie am liebsten an See- oder Bachufern und da wiederum am liebsten an gutem, fließendem, sauerstoffreichem Wasser ohne größere Temperaturschwankungen. Ihre Wurzeln suchen Halt im Untergrund und wenn alles zu ihrer Zufriedenheit ist, kann sie bis zu 70 Zentimeter hoch werden und viele Jahre alt. Für den Hobbygärtner eignet sie sich nur, wenn er Wasserspiegel und -güte präzise und stetig auf dem richtigen Stand hält. Dann allerdings dankt die Pflanze ihm mit großzügigen Vitaminspenden und Geschmackskicks sogar im Winter.
In freier Natur kommt die Brunnenkresse immer seltener vor; leider neigen die Menschen dazu, sie mit Stumpf und Stiel auszureißen. Dabei wäre hier Vernunft am Platze: Für die Verwendung im Salat genügt es, behutsam die 5 bis 7 Zentimeter langen Triebe abzubrechen (20 bis 30 Gramm frisches bzw,. 4 bis 6 Gramm getrocknetes Kraut als Tagesdosis).

Unser Tipp: Brunnenkresse
Katarrhe der Atemwege, Verdauungsstörungen, Probleme mit der Gallenblase, Appetitlosigkeit – hier hilft die Brunnenkresse mit ihrem hohen Gehalt an schleimlösenden und bakterienhemmenden und recht bitter schmeckenden Senfölglykosiden. Sie soll auch belebend auf Leber, Galle und Nieren wirken und den Stoffwechsel antreiben, daher haftet ihr der Ruf als „blutreinigend“ an. Wegen ihres hohen Gehalts an Vitamin C wurde sie früher bei Skorbut eingesetzt und vor allem bei Frühjahrskuren. Äußerlich angewendet, kann ihr Saft hilfreich bei Ekzemen, überempfindlichem Zahnfleisch und unreiner Haut sein,
In der Kosmetik-Industrie spielt die Brunnenkresse als Zutat für Cremes und Gels gegen Altersflecken eine Rolle. Hier sollte man allerdings den chemischen Mitstreitern kritische Blicke zuwerfen und nicht mit überteuerten Star-Wars-Kanonen auf unschuldige kleine Spatzen schießen. Ihr Apotheker berät Sie bei diesen kosmetischen Fragen garantiert besser als die irreführende Produktwerbung.
Für Ihren Haus- und Küchengebrauch eignen sich am besten die frischen Triebe mit den rundlichen fleischigen Blättern. Optimaler Zeitpunkt für die Ernte: kurz bevor die Pflanze blüht (was sie in freier Natur gern ab Juni tut). Verwenden Sie die Blätter sofort – und freuen Sie sich über den tollen Vitaminspender und die scharf-bittere Würznote im Salat. Auch Trocknen ist möglich, oder ein Frischpflanzensaft.

Sebastian Kneipp:
„Zu den Dingen, welche ich verabscheue und hasse, zählt als ein gründlich und grundsätzlich gehaßtes das Geheimmittel-Wesen, die Krämerei mit Heilmitteln, welche als Geheimnis des Erfinders gelten. Diesen Vorwurf soll mir niemand machen können.“

Tipp am (Weges-)Rande:
Der starke Geruch hat der Brunnenkresse einen hässlichen lateinischen Namen beschert (Nasturtium), frei übersetzt: „Nasentortur“. Der deutsche Name kommt nicht vom Brunnen, sondern vom Burn, noch bekannt im „Born“ – einem alten Wort für Quelle. Und noch etwas zum Namen: Die Brunnenkresse ist mit der bekannteren Gartenkresse nur weitläufig verwandt.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde Charité Universitätsmedizin Berlin

Dill

Magenentkrampfer an Fisch und Gurke

Im Sauerglas kennt ihn jeder. Und auf dem Fisch, als Salatkrönung oder zarter Gewürzhauch an Kartoffel. Dass Dill jedoch auch als Heilpflanze durchaus Qualitäten entfaltet, ist weniger bekannt. Dabei hat die therapeutische Nutzung von Deutschlands beliebtester Gurkenverfeinerin tausendjährige Tradition. Spätestens seit dem Alten Ägypten.

Unser Tipp: Dill

Nadelfein und zart die Blätter, gelb und brokkoli-artig die Blüten, dunkel wie Sonnenblumenkerne die Samen: Dill ist Gewürzpflanze rund ums Jahr. Die Früchte, erntbar von Mai bis Oktober, weisen mehr und höherwertige Inhaltsstoffe auf als das frische (oder erst recht das getrocknete) Kraut, das bevorzugt im Gurkenglas schwimmt und durch seinen eigentümlichen, leicht petersilienartigen und scharfen Geschmack punktet.
Mit den ätherischen Ölen der Frucht löst der Tee Krämpfe und hemmt Bakterien, was ihn zum zweckdienlichen Naturmittel bei Bauchkrämpfen, Blähungen, Verdauungsproblemen und Koliken erhebt. Auch für Kinder. Außerdem wird dem Dill eine positive Mitarbeit bei der Milchbildung und für die Entwässerung nachgesagt. Frauen können bei Bauchkrämpfen durch Menstruationsbeschwerden ebenfalls Linderung erfahren, in diesem Fall empfehlen Naturheiler allerdings eher ein entspannendes Kräuterbad mit dem Kraut.
In der europäischen Naturheiltradition gilt Dill insgesamt als beruhigend und wurde noch das ganze Mittelalter hindurch als Einschlafhilfe verwendet; für diese Indikation gelten heute allerdings andere Pflanzen als besser geeignet.
Wenn Sie ein Fan der Gewürzpflanze sind, sei hier noch hinzugefügt: Das Kraut fördert Verdauung und Appetit, aber selbst wenn Sie reichlich davon auf Ihren Lachs, Karpfen oder Pangasius streuen: Es wird mit Sicherheit nicht genug sein, um Sie schläfrig zu machen.

Sebastian Kneipp:
„Mit den Speisen verhält es sich ganz so, was gewöhnlich für das Dürftigste und Ärmlichste gehalten wird, ist das Beste.“

Tipp am (Weges-)Rande:
Dillhappen kennt man überall, Dilldappen eher nur im Siegerland: das sind trottelige regionale Fabelwesen. Und wenn Ihnen Dill in einem Orts- oder Landschaftsnamen begegnet, dann bezieht er sich sicher auf die Dill, einen hessischen Fluss.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde - Universitätsspital Zürich
Charité Berlin

Eibisch

Schleimstoffe für Atmung und Verdauung

Eine Zierde für jeden Garten – der Eibisch aus der Familie der Malvengewächse ist wunderschön anzuschauen. Doch neben den optischen Reizen verfügt die Pflanze über eine Vielzahl günstiger Eigenschaften. Vor allem die menschlichen Schleimhäute können von der Wirkung des Eibisch profitieren, weshalb er überwiegend bei Erkrankungen der Atmungsorgane und des Verdauungstraktes eingesetzt wird. Früher wurden aus den Substanzen des Eibisch sogar Süßigkeiten hergestellt.
Die Französische Küche und auch die Römer bedienten sich der Blüten, Blätter und der Wurzel der hochgeschätzten Heilpflanze.
Unser Tipp: Eibisch
Der Eibisch (Althaea officinalis L.) – oder auch Echter Eibisch genannt – ist in den Steppenregionen Südrusslands und Kasachstans, in Mittel- und Südeuropa beheimatet. Er bevorzugt sonnige, warme Gebiete mit nährstoffreichen Lehm- oder Tonböden und benötigt viel Wasser. Die Blütezeit reicht von Juni bis in den August. Die für den Menschen gesundheitsförderlichen Schleimstoffe sind vorwiegend in der Wurzel des Eibisch enthalten.
Aber auch in den Blättern findet man die wertvollen Stoffe, wobei erst nach der Blütezeit geerntet werden sollte, da dann der Schleimgehalt am höchsten ist. Bei den Schleimen handelt es sich um besonders vernetzte Zuckerverbindungen, die sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhaut legen und damit Schmerzen und Entzündungen lindern. Deswegen sind bei Erkältungen flüssige Zubereitungen wie Tee, Sirup oder auch Lutschpastillen sinnvoll, um Halschmerzen, Heiserkeit und Reizhusten zu lindern. Neben Atemwegserkrankungen und Verdauungsproblemen – wie Magen- und Darmschleim
hautentzündungen – eignet sich der Eibisch auch zur Behandlung von äußerlichen Wunden. Die lindernden Effekte des Eibisch können bei Hautreizungen und Hautproblemen hilfreich sein. Hierzu bieten sich Umschläge, Wickel oder Bäder an.

Sebastian Kneipp:
Sebastian Kneipp selbst befand, dass der aus dem Eibisch gewonnene Tee so „schlüttrig“ sei, was soviel wie schleimig bedeutet.
„(...) Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass die Kräuter und manche Hausmittel noch immer die besten Heilmittel sind.“

Tipp am (Weges-) Rande:

Aufgrund der Inhaltsstoffe des Schleimes sollte der Eibisch nicht heiss gekocht werden. Vielmehr eignet sich für diese Heilpflanze das Ansetzen eines Kaltauszugs, um die wertvollen Wirkstoffe schonend zu extrahieren: Einfach drei Teelöffel der geschnittenen Wurzel mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen und mindestens acht Stunden ziehen lassen (bei Blüten oder Blättern nur ein bis zwei Teelöffel pro Tasse). Anschließend wird der Tee abgeseiht und leicht erwärmt. Beim Trinken gegen Halsbeschwerden immer kleinste Schlucke möglichst lange im Mund und Rachen behalten die Linderung setzt sofort ein.
Ihr Spezialist des KneippBund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde
Universitätsspital Zürich
Charité Berlin

Eisenkraut

Sagenhaft - nicht nur bei Erkältungen

Seine Zweitnamen – Sagen- oder Druidenkraut – deuten es an: Das Eisenkraut ist eine altbekannte Kult- und Heilpflanze (in Süddeutschland und der Schweiz besser bekannt als Verbene). Während sie in grauer Vorzeit jedoch so faszinierende Wirkungen zeitigte wie die Wiedererweckung eingeschlafener Liebe, verwendet der moderne Heilkundige sie lieber bei so langweiligen Alltagsvorkommnissen wie Husten oder Erkältung. Und viele phytotherapeutisch unbedarfte Zeitgenossen zupfen sie genervt unter der Hecke ihres Gartens hervor und tun sie als Unkraut ab. Das hat das Kraut eigentlich nicht verdient. Denn zwischen Juni und September geerntet, gibt es einen sachdienlichen Tee.

Unser Tipp: Eisenkraut

In erster Linie findet es heute in Kombinationspräparaten gegen chronische oder akute Nasennebenhöhlenentzündung Verwendung; alleine ist es kaum gefragt. Viele Heilpflanzenfans trauen dem Eisenkraut jedoch ganz andere Einsatzgebiete zu und sind gar nicht so sicher, ob es speziell für die Nasennebenhöhlen so geeignet ist. Sie empfehlen es außerdem bei Beschwerden von Mund und Rachenschleimhaut über Infektionen der Atemwege wie Husten und Bronchitis, Asthma und Keuchhusten bis hin zu Schmerzen, Krämpfen, Erschöpfung, nervösen Störungen, Rheuma und chronischen Ekzemen. Ein Tee aus ein bis drei Teelöffeln Eisenkraut pro Tasse (5 Minuten ziehen lassen) soll den Stoffwechsel anregen und gegen Schlaflosigkeit und Nervenschwäche helfen, äußerlich angewendet wird das Kraut unter anderem in der Wundbehandlung. Diese vielseitigen Wirkungen sind aber durchweg bisher nicht genügend belegt; ebenso wenig, dass Eisenkraut helfen kann, die Monatsblutung herbeizuführen.

Wer sich auf die Erfahrung der Naturheilkundler verlässt und ihnen glaubt, dass Eisenkraut eine schleimlösende Wirkung hat, trinkt den Tee gegen Infektionen der Atemwege und verwandte Krankheiten.

Nicht zu verwechseln ist das Eisenkraut übrigens (lateinisch: verbena officinalis) mit Zitronenverbene. Diese kommt aus Südamerika und hat andere medizinische Wirkungen. Sie verkauft sich jedoch besser, aus einem einfachen Grund: Der Tee schmeckt besser, ein bisschen wie Zitronenmelisse.

Tipp am (Weges-)Rande:
Das Eisenkraut hatte früher einen so erhabenen Ruf, dass es sogar als Zusatz im Putzmittel für Heilige Tempel erlaubt war.

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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde - Universitätsspital Zürich

Eukalyptus

Freiheit für verschnupfte Atemwege

Wenn man nur das Wort hört, zieht es einem schon den Gaumen zusammen und räumt die Nase frei: Eukalyptus. Jeder kennt die scharfen Hustenbonbons, kaum jedoch jemand den Baum, der diesen Geschmack liefert. Dabei lieben Südländer den bis zu 40 Meter hohen Baum keineswegs nur wegen seiner Duftstoffe: Er ist mit den immergrünen länglichen Blättern und den tiefen Altersfurchen in der Rinde durchaus ein hübsches Ziergewächs. Mit Einschränkungen – denn es gibt unzählige Arten. Deren Urahnen stehen in Australien.

Unser Tipp: Eukalyptus

Medizinisch verwendet werden die getrockneten Blätter und Zweige sowie das ätherische Öl mit dem charakteristischen Duft. Das Öl entfaltet die bekannte befreiende Wirkung für den Atem, egal ob man Bonbons lutscht, unter Handtüchern inhaliert, Kneippsche Brustwickel damit füllt, sich die Brust mit Erkältungssalben einreibt oder ein bisschen Öl dem Badewasser zusetzt. Das Cineol wirkt zusammen mit den übrigen Inhaltsstoffen hemmend auf Bakterien und Viren, kühlend auf die Haut und Schleim lösend auf die Atemwege. So ist Eukalyptus eine gute Wahl bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit und sonstigen Erkältungsbeschwerden. – Vorsicht ist lediglich bei kleinen Kindern geboten: Niemals scharfe Öle direkt auf die zarte Haut geben.

Weniger bekannt ist das zweite Einsatzgebiet der Heilpflanze: Äußerlich angewendet lindert Eukalyptusöl Gelenkschmerzen und Muskelverspannungen. Tee aus den Blättern soll auch wohltuend bei Nervenschmerzen, Blasenerkrankungen oder Rheuma wirken. Aber Vorsicht, auch bei Eukalyptus gilt: Allzu viel ist ungesund (in diesem Fall kann zuviel Tee den Magen reizen).

Sebastian Kneipp: „Die Natur ist die beste Apotheke.“

Tipp am (Weges-)Rande:

Eukalyptus vertreibt angeblich auch Insekten. Wie es allerdings mit erkälteten Insekten steht, ist nicht bekannt.

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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde
Charité Universitätsmedizin Berlin

Fenchel

Entspannend für Magen und Darm

Mit Kümmel und Anis hat er so einiges gemeinsam, neben der weitläufigen botanischen Verwandtschaft vor allem die entblähende und krampflösende Wirkung seines Samens. Anders als bei seinen beiden Cousins ist aber der Geschmack mild und daher kennt hierzulande schon jedes Kleinkind den Fenchel – als Tee oder Sirup zur Beruhigung von Magen und Darm. Das ätherische Öl des Fenchels regt Verdauungssäfte an, wirkt krampflösend und entschäumend. Die Knolle gilt als passendes Beilagengemüse zum Fisch und gibt buntem Salat eine spezielle anisartige Note. Das ist nicht jedermanns Sache, soll aber Fett- und Giftstoffe im Darm binden und somit ist Fenchel als Rundum-Verdauungshilfe beliebt und bekannt.

Unser Tipp: Fenchel

So fördert Fenchel die Bekömmlichkeit von Speisen, wirkt also Blähungen entgegen: Ein Teelöffel gequetschte Fenchelfrüchte mit einer Tasse Heißwasser aufgießen, 5 bis 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen. In Kombination vielfach mit bitteren Pflanzen wie Wermut, Kalmus oder Baldrian im Einsatz, dazu vielleicht noch die klassischen Tausendsassa-Kräuter zur Geschmacksveredelung wie Kamille und Pfefferminze sowie besagte Cousins Kümmel und / oder Anis.
Sebastian Kneipp empfahl übrigens, kranke – und auch gesunde – Augen durch Augenbäder zu stärken, ein Leintuch in Kräutertee zu tauchen und auf die Augen zu legen:

„Man kann einen Kaffeelöffel zerstoßenen Fenchel in einem Viertelliter Wasser sieden, abseihen, den Lappen eintauchen und ganz naß auflegen; es soll die Flüssigkeit auch ins Auge kommen.“
(Sebastian Kneipp)

Das ätherische Öl des Fenchel wirkt außerdem sekretlösend bei Husten. Verdrücken Sie einen viertel Teelöffel Fenchel, verrühren Sie ihn mit Honig und lassen Sie dieses Hausmittel in winzigen Mengen auf der Zunge zergehen.

Tipp am (Weges-)Rande: In manchen asiatischen Ländern gibt es nur ein gemeinsames Wort für Anis und Fenchel.

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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde Charité Universitätsmedizin Berlin

Ginkgo

Symbol der Liebe und des Lebens

Der Ginkgo (Ginkgo biloba L.) ist eigentlich in China beheimatet, wird heute aber weltweit kultiviert. Er ist der letzte lebende Vertreter einer ansonsten ausgestorbenen Gruppe von Samenpflanzen – deshalb wird die Baumart gerne als „Lebendes Fossil“ bezeichnet. Er wird bis zu 40 Meter hoch, bildet eine imposante Krone aus und kann über 1000 Jahre alt werden. Der Ginkgo ist ein zweihäusiger Baum, es existieren also weibliche und männliche Pflanzen. Seine zweilappigen Blätter interpretierte Goethe als Symbol der Liebe und des Lebens und inspirierten ihn zu seinem berühmten Gedicht. Als Mahnmal für Frieden und Umweltschutz ist der Ginkgo vor einigen Jahren zum „Baum des Jahrtausends“ gewählt worden.

Unser Tipp: Ginkgo

Die aus den Ginkgo - Blättern gewonnenen Extrakte können in verschiedenen Bereichen Anwendung finden – die Extrakte zählen nach der Klassifikation der WHO zu den Antidementiva. So werden hirnorganisch bedingte Leistungsstörungen (wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Schwindel und Kopfschmerzen) mit Ginkgo-Spezialextrakten symptomatisch behandelt. Auch arterielle Durchblutungsstörungen und Tinnitus gehören zu den behandelbaren Krankheitsbildern. Bei demenzkranken Menschen kann durch die Einnahme von Ginkgo-Präparaten eine (kurzfristige) Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit festgestellt werden, was sich in der Regel überaus positiv auf die individuelle Lebensqualität und das Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt.

Sebastian Kneipp:
„Gegen das, was man im Überfluss hat, wird man gleichgültig; daher kommt es, dass viele
hundert Pflanzen und Kräuter für wertlose Unkräuter gehalten werden, anstatt dass man sie
beachtet, bewundert und gebraucht.“


Tipp am (Weges -)Rande:
Der Kauf von Ginkgo-Samen zur Anzucht von Bäumen ist Vertrauenssache. Ein guter Fachhändler sollte auf folgende Fragen eine Antwort geben können: Erntezeit? (Alter des
Samens) - Aus welchem Land kommt der Samen? (Winterhärte) - Wie wird der Samen gelagert? (Trocken, abgepackt, kühl und feucht) – Sind die Samen keimgeprüft? (Theoretische Keimrate zum Prüfzeitpunkt, Garantie bei Totalausfall bzw. Teilausfall). Bei Spezialanbietern gibt es manchmal Ginkgo - Keimlinge zu kaufen.
Unerwünschte Nebenwirkungen bei der Einnahme von Ginkgo - Präparaten wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und allergische Hautreaktionen treten äußerst selten auf.
Vorsicht: Vor dem Genuss von Teemischungen mit Ginkgo-Blättern rät die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ab! Diese enthalten Ginkgolsäuren, welche bei der Extraktherstellung entfernt werden und sonst aber u.a. Allergien auslösen können.


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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde
Universitätsspital Zürich
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Ginseng

Wirkungen der Wunderwurzel - Kräftigung und Stärkung

Die Ginsengwurzel verfügt über eine Vielzahl gesundheitsförderlicher Aspekte. Ginseng als pflanzliches Arzneimittel wirkt präventiv, sie ist demnach keinem spezifischen Krankheitsbild zugeordnet, sondern kann der Entstehung vieler Krankheiten vorbeugen. Egal ob Stress, Alltagsbeschwerden, Müdigkeits- und Schwächegefühle oder die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens – mit Ginseng liegen Sie immer richtig. Das geht schon aus dem griechischen Gattungsnamen hervor, denn Panax ginseng bedeutet allheilender Ginseng. Ursprünglich stammt die Wurzel aus den Gebirgs -
und Waldregionen Nordkoreas, Chinas und Sibiriens. Mittlerweile wird sie als Basis von medizinisch - pharmazeutischen Heilmitteln überall auf der Welt kultiviert.

Unser Tipp: Ginseng

Die wirksamen Saponine bzw. Ginsenoside sind eine wahre Wohltat für das menschliche Immunsystem, weshalb Ginseng auch als adaptogene Pflanze bezeichnet wird. Als Heilpflanze wird Ginseng im „Deutschen Arzneibuch“ anerkannt, wenn er mindestens 1,5 Prozent Ginsenoside enthält.
Je nach Verarbeitung unterscheidet man zwischen weißem und rotem Ginseng. Beim weißen Ginseng wird die Wurzel in der Regel nach der Ernte geschält, gebleicht und getrocknet. Die Wurzel des roten Ginseng wird nach der Ernte zuerst mit Wasserdampf behandelt und erst anschließend getrocknet. Da bei Ginseng und seinen Präparaten bislang kaum Nebenwirkungen beobachtet werden konnten, eignet sich die Wurzel auch als Nahrungsmittel. Im asiatischen Raum ist Ginseng längst in die Ernährungsangewohnheiten der Bevölkerung integriert – egal ob als Tee, Suppe, Bonbons, Kekse oder frittiert als Süßspeise.

Sebastian Kneipp
„Man möchte sich oft schämen, auf der Welt zu sein und doch so wenig von ihr zu kennen und zu wissen“

Tipp am (Weges-)Rande
Um sämtliche Inhaltsstoffe der Wurzel voll ausschöpfen zu können, sollte sie mindestens sechs Jahre lang wachsen, bevor geerntet wird. Bei Präparaten, die im Handel erhältlich sind, muss darauf geachtet werden, dass diese die Anforderungen des Deutschen Arzneimittelgesetzes erfüllen. Vor operativen Eingriffen sollte die Einnahme von Ginseng unbedingt dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden.


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Inst. Naturheilkunde
Universitätsspital Zürich
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Hagebutte

Entzückt Naschkatzen und hilft Heilen

Junggebliebene Gemüter lieben diese Frucht wegen ihrer schlichten Form und sanftroten Farbe und sehen darin ein Symbol für die Wunder der Natur. Denn im Frühling ist diese Pflanze zuerst ein unscheinbarer Strauch, im Sommer eine dekorative Rose, im Herbst eine Beere und dann in der Tasse ein wohltuender Tee mit Gesundheitsfaktor – das ist eine fast so dramatische Entwicklung wie die von der Raupe zum Schmetterling. Die Früchte der Hecken- oder Hundsrose schmecken angenehm süß-sauer und veredeln deshalb unzählige Früchtetee-Mischungen. Als Hiffenmark (Mus, Marmelade) entzückt die Hagebutte viele Naschkätzchen, als Wein oder Likör eher erwachsene Naschkatzen. Heilkundige verschreiben den Tee nicht gerade bei Erkrankungen, schätzen ihn aber unterstützend bei Nierenproblemen oder Erkältungen.

Unser Tipp: Hagebutte

Allein im Tee wirken Hagebutten ein wenig harntreibend und in noch milderem Maße abführend. Sie sind oft Bestandteil von Tees zur „Frühjahrskur“ und gelten allgemein als stärkend fürs Immunsystem. Das wiederum und ihre Beliebtheit bei Erkältungen hängen mit dem hohen Gehalt an Vitamin C zusammen. Daher ist Hagebuttensaft,
-mus oder -tee übrigens unbedingt angesagt für Raucher, die einen besonders hohen Bedarf an diesem Vitamin haben. Für den Tee 2 gehäufte Teelöffel getrocknete und zerkleinerte Früchte mit einem viertel bis halben Liter kochend Wasser überbrühen. Der Tee kann lange ziehen, bis zu 15 Minuten, ohne dass der angenehme Rosengeschmack verloren geht. Am Krankenbett, egal ob es um Blasenentzündungen, Erkältungen oder grippale Infekte geht, ist Hagebuttentee zur Stärkung genau das richtige Getränk.

„Ich kannte einen Stadtpfarrer, der mehr als zwanzig Jahre an jedem Abend eine Tasse Hagebuttentee trank, weil er viel an Grieß und Stein litt, und der einzig durch diesen Tee von seinem Leiden befreit wurde“, schrieb Sebastian Kneipp (1821 – 1897).

Tipps am (Weges-)Rande:
Die feinen Härchen an den kleinen Samen in der Frucht dienten jugendlichen Streichspielern als Juckpulver. Wegen dieser unangenehmen Wirkung werden nur die Schalen ohne „Innereien“ für den Teebeuteltee verwendet. Ist hingegen das Wassertreiben gewünscht, verwendet der Hersteller die kleinen Samen mit. Das Vitamin C wird beim Trocknen oder Erhitzen für die Teezubereitung übrigens nicht verletzt, verliert sich jedoch bei langer Lagerung.

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Abt. Naturheilkunde Charité
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Heusack

Verwöhnkur pur - bei Schmerzen und auch sonst

Diese Anwendung ist völlig bio – ein Klassiker der Kneippschen Methoden. Der Heublumensack findet in jedem guten Kneipp-Hotel Anwendung und hat maximale Verwöhn- und Entspannungswirkung.
Gäste werden ab morgens um 4 Uhr damit gewickelt – und erzählen beim Frühstück, dass sie anschließend so wunderbar tief geschlafen (oder schön geträumt) haben wie noch nie im Leben. Aber
der Heublumensack wirkt bei all diesen beruhigenden Eigenschaften auch anregend auf Durchblutung und Stoffwechsel sowie schmerzlindernd, besonders bei Verspannungen der Muskeln und Gelenke
(einschließlich Wirbelsäule), reflektorisch auch auf die inneren Organe: insbesondere Nieren, Galle, Magen, Darm, Herz und Lunge. Falls Sie rundum gesund sind und sich nur mal eine kleine Wohlfühlkur für zwischendurch gönnen wollen: Versuchen Sie es damit.

Unser Tipp: der Heublumensack
„Heusäcke“ sind eigentlich eher Heu-Kissen. Es gibt sie fertig zu kaufen (beispielsweise beim Kneipp-Bund, vielleicht aber auch beim Bio-Bauern oder einem guten Apotheker in Ihrer Nähe). Die Wirkung
entsteht zum einen durch die Wärme, zum anderen durch die ätherischen Öle der Blumen und Gräser.
Beides zusammen schafft es manchmal sogar, hartnäckige Schmerzen wie beim Weichteilrheumatismus oder im verspannten Nacken zu lösen. Denjenigen Menschen, die als Kinder auf „richtigen“ Blumenwiesen herumgetollt sind, bereitet allein der Heublumenduft tiefen sinnlichen Genuss: Sie fühlen sich an sonnige Tage ihrer Kindheit erinnert. Menschen mit Pollen-Allergie hingegen können oft
schon den Duft nicht gut ertragen, obwohl ja aus dem feuchten Sack kaum Pollen in die Atemwege gelangen.

So geht’s :
Den Sack unter fließend Wasser anfeuchten. Wasser in einen Kochtopf füllen, einen Sieb-Einsatz auflegen und darauf den Heublumensack mindestens 20 Minuten dämpfen. Aufschütteln, auf dem
betroffenen Körperteil anlegen und so lange belassen, wie es sich warm anfühlt (bis zu einer Stunde).
Vorsicht! Wenn das Kissen zu feucht und zu heiß ist, besteht Verbrennungsgefahr – also prüfen Sie vor dem Anlegen die Temperatur, am besten an der empfindlichen Innenseite des Unterarms.
Zum Anwickeln nehmen Sie ein weiches Baumwolltuch und darüber noch mal ein Wolltuch. Den Heublumensack kann man je nach Beschwerden auf den Rücken, den Nacken, die Brust (z.B. bei
Asthma bronchiale), den Bauch (z.B. bei Gastritis) legen. Wie gesagt: Dort belassen, solange die Packung sich warm anfühlt. Experten wissen, wo und wie man das heiße Heukissen anlegt. Falls Sie
also Angst haben etwas falsch zu machen, lassen Sie sich von einem guten Fachmann / einer guten Fachfrau beraten.
Anschließend ist Bettruhe angesagt, mindestens noch mal eine halbe Stunde.

„Bei Nieren- und Gallensteinkrankheiten werden die kolikartigen Erscheinungen so günstig beeinflusst, dass man diese Anwendungen als das Morphium der Naturheilkunde bezeichnet hat.“
Sebastian Kneipp



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Holunder

Ein Hausmittel, dem alle guten Geister vertrauen

Immunstärkende Wirkung wird dieser Pflanze zugesprochen, vielleicht weil ihre Blüten so reich an Vitaminen und Spurenelementen sind und einem den Schweiß heraustreiben. Daher kurieren sich auch frisch Erkältete gerne durch ihren Tee. Die Beere wiederum wird als leichte und frische Geschmacksnote vieler Tees eingesetzt, in Limonaden oder sogar im Sekt. Dies ist vermutlich ziemlich gesund – eine antibakterielle und immunstärkende Wirkung ist aufgrund der Wirkstoffe sehr wahrscheinlich. Die Schweiß treibende Wirkung zumindest der Blüten ist jedoch klinisch nachgewiesen. Für die Stärkung des Immunsystems – man sagt, dass die Blüten Zellmembranen vor Freien Radikalen schützen – fehlen solche Nachweise. Aber beliebt ist der Holunder mit und ohne Nachweis in Deutschland, er hat eine spezielle Art von Heimvorteil – der „Hollerbusch“ (oder -Baum) galt nämlich im Volksglauben vieler Gegenden als Herberge der guten Geister, vor denen man respektvoll im Vorbeigehen den Hut lupfen sollte. Daher gehörte der Strauch traditionell in jeden Bauerngarten. Es gibt verschiedene Arten, die bis zu 20 Meter hoch werden können. Bei uns kommt vor allem der Schwarze Holunder vor.

Unser Tipp: Holunder Ob Beeren, Blätter, Rinde oder Wurzel: Der Holunder ist rundum wertvoll. Tee aus getrockneten Blüten wirkt bei fieberhaften Atemwegskatarrhen. Für den Tee zwei Teelöffel Droge (getrocknete Blütenblätter) mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, absieben, heiß trinken. Besonders den Kindern sei gesagt: langsam trinken, nicht hinunterschütten! Wer alten Überlieferungen glaubt, kann den Tee dann und wann zur „Blutreinigung“, also zur Entschlackung trinken – schaden kann das jedenfalls nicht.

Kneipp: „Es wäre gut, wenn in jeder Hausapotheke eine Schachtel gedörrter Blüten aufbewahrt würde.“

Tipp am (Weges-)Rande: Sebastian Kneipp kannte und schätzte die Schwäbischen Holler-Küchlein, die in seiner Heimatgegend im späten Frühjahr überall auf den Tisch kamen. Hierfür werden die Dolden einfach in Pfannkuchenteig getaucht und frittiert oder gebacken, was er als „gute und gesunde Kost“ lobte. Ob dies aber tatsächlich vorsorglich gegen Fieberanfälle wirkt, bezweifelte auch Kneipp.

Nicht roh essen oder Saft aus frischen Beeren herstellen, sie sind ein bisschen giftig und schlagen auf den Magen. Der Saft wirkt leicht stopfend und bei höheren Dosierungen auch abführend – durch Giftstoffe aus den Kernen, die Sie also nach dem Kochen sorgfältig abtrennen sollten.

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Abt. Naturheilkunde
Charité Universitätsmedizin Berlin

Hopfen

Fördert den Schlaf und beruhigt die Nerven

Von seiner beruhigenden Wirkung lebt nicht nur das Oktoberfest. Denn das bekannteste Produkt aus Hopfen ist das Bier. In Zeiten kirchlich verordneter Sinnenfeindlichkeit bauten die Klöster die Pflanze an, um – besonders zwischen Fastnacht und Ostern – ihre Mönche durch Bier satt zu bekommen und ihre erotischen Sinne zu dämpfen. Zu Recht, Bier mindert tatsächlich sexuelle Erregung beim Mann, da im Hopfen Stoffe enthalten sind, die wie weibliche Östrogenhormone wirken. Der Naturheilkundler wie der Schulmediziner zweifeln nicht im geringsten am therapeutischen Nutzen des Hopfens gegen Gestresstheit – wobei es bei der Behandlung dieser „Krankheit“ natürlich weitaus mehr und vor allem nachhaltigere Möglichkeiten gibt als das Bier.

Unser Tipp: Hopfen

Schlafstörungen, Nervosität, Angstzustände – das sind die klassischen Einsatzgebiete des Hopfens. Die weibliche Pflanze bildet im September die medizinisch relevanten Zapfen. Zunächst sehen sie nur gut aus, denn ihr zartes Grün und die regelmäßige Form hat etwas ästhetisches und unverwechselbares. Getrocknet entfalten die Zapfen heilkräftige Bitterstoffe im reichlich vorhandenen Harz und werden zum therapeutischen Gebrauch sorgfältig zu Tee oder Extrakt verarbeitet. Dieser hilft besonders Menschen, die unter Schlaflosigkeit leiden, erleichtert insbesondere das Einschlafen und beruhigt die vegetativen (= nicht dem Willen unterworfenen) Systeme des Körpers. Wer wegen langwierigen Stressdrucks oder Aufgeregtheit zu Gallenproblemen neigt, ist mit einem Hopfenprodukt ebenfalls gut bedient. Nebenbei gilt die Pflanze als antibakteriell und daher hält sich seit Jahren das Gerücht, Bier sei prima gegen Blasenentzündung. Hierzu sei gesagt: Die Menge macht’s. Denn die Betroffenen schwemmen zwar tatsächlich durch viel Bier viele Bakterien aus. Wenn sie aber nicht reichlich Wasser nachtrinken, kann die Blase trotzdem nicht heilen. Vernünftige Mengen schaden jedoch nicht.

Hopfen gilt als verdauungsfördernd und appetitanregend. Für diese beiden Fälle gibt es allerdings gezielter einsetzbare Mittel aus der Natur.

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) hielt Bier für eher schädlich als nützlich und den Hopfen für eine Giftpflanze. Er trank es trotzdem dann und wann. Wie so oft riet er seinen Patienten zum Maßhalten:

„Trinkst du aber Bier, so gehe über ein oder zwei Glas nicht hinaus!“
Sebastian Kneipp

Tipp am (Weges-)Rande:
Das größte Anbaugebiet für den Hopfen ist die Hallertau – und die beginnt gleich nördlich von München. Es gibt dort sogar ein eigenes Erlebnis-Museum rund um Hopfen und Bier: in Wolznach.

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Ingwer

Mehr als nur ein Gewürz

Der Ingwer (Zingiber officinale) ist eine einkeimblättrige Pflanze, die ursprünglich aus (sub-)tropischen Regionen wie Indien, China und Südamerika stammt. In Mitteleuropa kennt man den Ingwer seit dem 9. Jahrhundert. Der unterirdische Hauptspross, die Ingwerwurzel (Ingwer-Rhizom), kann als Küchengewürz sowie als Nahrungs- und Heilmittel verwendet werden. Ingwer riecht und schmeckt sehr aromatisch; bisweilen sogar brennend scharf. Das liegt an den enthaltenen ätherischen Ölen, Harzsäuren und an der aromatischen Substanz Gingerol. In den Traditionellen Asiatischen Medizinsystemen spielt Ingwer seit über 3000 Jahren eine wichtige Rolle und gilt dort als eine der gesündesten Pflanzen überhaupt. Recht gut untersucht ist heute die brechreizlindernde Wirkung bei Reisekrankheit und Schwangerschaftserbrechen.

Unser Tipp: Ingwer

Die Wurzeln des Ingwers enthalten zahlreiche wertvolle Wirkstoffe wie Vitamin C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor. Ingwer hilft bei Übelkeit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl und regt zudem die Funktion des Darmes an. Neben der Wirkung für den Magen-Darm-Trakt fördert Ingwer die Durchblutung und regt den Stoffwechsel an. Somit kann das Risiko von Blutgefäßverschlüssen und Arteriosklerose verringert werden. Die reizlindernde Wirkung des Ingwers eignet sich auch für die äußerliche Wundbehandlung von Schleimhäuten und Hautwunden.
Sebastian Kneipp:
„Wenn man sich recht überlegt, wie man seinen Magen bedient, so muss man gestehen, dass man ihn wie einen Missetäter behandelt.“

Tipp am (Weges-)Rande:
Gerade in der kalten Jahreszeit ist Ingwer ein nützlicher und hilfreicher Begleiter. Egal ob frischer Ingwer, Ingwerpulver oder Ingwertee – die wärmende Wirkung wird Ihrem Körper zu Gute kommen. Probieren Sie es doch einfach einmal aus: 2 - 3 dünne Scheiben Ingwer mit 200 ml aufgekochtem Wasser aufgießen und je nach gewünschter Geschmacksintensität bis zu 15 Minuten ziehen lassen. Sie können den Tee mit Zitronensaft oder Honig noch verfeinern.
Vorsicht: Bei entzündlichen Magenleiden, Sodbrennen und Gallensteinen sollte regel1äßiger Ingwer-Verzehr vorsichtig gehandhabt werden. Vor geplanten Operationen müssen Sie Ihren Arzt unbedingt auf überdurchschnittlichen Ingwer-Genuss hinweisen, da dieser die Blutgerinnung beeinflussen kann.

Übrigens:
Bitte achten Sie beim Kauf von Ingwer darauf, dass sich die Knollen fest anfühlen und die Haut glatt und prall ist. Zur Lagerung umwickeln Sie nur den frischen und ungeschälten Ingwer mit Küchenpapier und bewahren diesen in einem luftdicht verschlossenem Behältnis im Gemüsefach Ihres Kühlschranks auf. Auf diese Art hält er sich bis zu 4 Wochen.

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Johanniskraut

Lichtgestalt für traurige Seelen und weibliche Wesen

Diese besonders bei Frauen beliebte Blume hat ihren Namen von Johannes dem Täufer (Namenstag: 24. Juni). Und wie dieser Heilige vor allem in nordischen Ländern verehrt wird und vorchristliche Sonnwendbräuche auf sich zieht, so ist auch das Johanniskraut eng mit Licht und Sonne verbunden. Das liegt irgendwie auf der Hand. Denn erstens hat der Tee bzw. Saft (unter anderen) eine stimmungsaufhellende Wirkung, bringt also Licht in düstere Seelen und trübe Gedanken. Zweitens werden die leuchtend gelben Blütenblätter leuchtend rot, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Hält man die Blätter gegen das Licht, so erkennt man die Löcher im Blatt, die zu dem lateinischen Namen „perforatum“ geführt haben und früher als Werk des Teufels galten. Auch keimen die Samen nur bei Licht. Diese rätselhaften, aber symbolträchtigen Eigenschaften haben dazu geführt, dass die Menschen früher glaubten, Johanniskraut vertreibe den Teufel mitsamt allen Dämonen. Heute heißen diese Dämonen Depression, Verzweiflung, Traurigkeit, nervöse Unruhe, psychovegetative Störung oder Melancholie – und das Kraut heißt nicht mehr Hexenkraut oder Teufelsflucht, sondern weit weniger abschreckend: Johanniskraut.

Unser Tipp: Johanniskraut

Selbst normale Mediziner setzen Tee, Saft, Tabletten oder Tropfen bei leichten bis mittleren Depression ein, wissen aber um den Zeitverzug: Johanniskraut braucht mindestens drei bis sechs Wochen, bis es wirkt. Bei Wechseljahresbeschwerden ist es eine bewährte Hilfe. Auch hier gilt: Das Mittel bietet keine Soforthilfe, sondern muss sorgfältig dosiert und regelmäßig genommen werden. Allerdings können manche hochdosierte Extrakte die Wirkung von bestimmten Arzneimitteln (auch mancher Pille) aufheben, indem sie den Abbau dieser Arzneimittel fördern. Hochdosierte Johaniskraut-Präparate haben außerdem einen Farbstoff, der die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht. Das bedeutet, dass die Haut nach kürzester Zeit einen Sonnenbrand entwickeln kann. Also ist Vorsicht geboten bei Besonnung oder Solarium unter hochdosierter Johanniskraut-Einnahme. - Als entzündungshemmendes Öl wird das Kraut äußerlich zur Wundheilung genutzt.

„Längerer Gebrauch von Johanniskraut beeinflußt
die weiblichen Unterleibsorgane im Sinne einer Kräftigung.“
(Sebastian Kneipp, 1821-1897)

Tipp am (Weges-)Rande:
Wegen Wechselwirkungen mit Sonne oder Medikamenten verwenden Sie Johanniskraut nur in Absprache mit Ihrem Arzt.

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Abt. Naturheilkunde Charité
Universitätsmedizin Berlin

Kamille

Gegen das Grimmen
Sebastian Kneipp (1821 – 1897) fand freundliche Worte für die Kamille, denn das kleine unscheinbare Pflänzchen wirkt vielseitig und umfassend. Hier wollen wir nur eine der vielen Einsatzmöglichkeiten beschreiben: Kamillentee lindert Verdauungs- und Unterleibsbeschwerden – von den typischen Magenschmerzen bei Stress über Menstruationskrämpfe bis zu Übelkeit und Erbrechen. Oder, wie Kneipp es seinerzeit ausdrückte: Kamillentee hilft gegen Grimmen.

Unser Tipp: Kamille
Am vollständigsten entfaltet die Kamille bei innerlicher Anwendung ihre Wirkung, wenn man Tee zubereitet und lange ziehen lässt. Auch alkoholische Auszüge sind nützlich. Für akute nicht-infektiöse Magenkrankheiten empfiehlt sich die Rollkur, das heißt Teetrinken und fünf Minuten auf dem Rücken, auf der rechten Seite, auf dem Bauch und dann auf der linken Seite liegen und das Heilgetränk sozusagen direkt auf die Magenwand einwirken lassen. Sofort tritt die krampflösende und entzündungs- und pilzhemmende Wirkung ein. Kamille hemmt Erreger, darüber hinaus verbessert sie aber auch den Allgemeinzustand, etwa bei Gastritis, Blähungen oder Darmentzündungen. Bei Magen-/Darmbeschwerden drei bis viermal täglich eine Tasse Tee nehmen, dafür 1 Esslöffel Kamille mit kochendem Wasser übergießen und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Das beruhigt eine gereizte und entzündete Schleimhaut.

Wichtig: Setzen Sie Heilpflanzen gezielt ein, nehmen Sie Arzneitee mit seinen hochdosierten Wirkstoffen – auch in Form von aromageschützt verpackten Teebeuteln. Kamillentee beugt Magen-/Darmgeschwüren vor.

Kneipp: „Ich kann nicht oft genug sagen: Maßhalten. Zu viel schadet immer.“

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Dr. Dr. Bernhard Uehleke


Knoblauch

Zehen für Herz und Magen

Es soll noch immer Zeitgenossen geben, die die Nase über ihn rümpfen. Kneippianer tun es im Allgemeinen nicht – sie wissen, dass der Knoblauch kostbares Nähr- und Heilmittel für den ganzen Menschen ist. Die scharfen Zehen sind nämlich nicht nur bei Freunden der südländischen Küche eine hoch angesehene Muss-Zutat in jedem besseren Gericht. Vielmehr entfalten sie neben der berühmten Knoblauchfahne auch großen Nutzen vor allem fürs Blut, fürs Herz, für Magen und Darm, für die Atemwege und für das Immunsystem.

Unser Tipp: Knoblauch

Vielfältiger geht’s kaum. Anregend, Blutdruck senkend, Blut verdünnend und Thrombosen verhindernd, Cholesterinspiegel senkend, darüber hinaus ein Mittel gegen Freie Radikale, Bakterien und Pilze vor allem im Darm, therapeutisch wirksam bei diversen Verdauungsbeschwerden, vorbeugend gegen Arteriosklerose und Bluthochdruck. Insgesamt ein wahrer Jungbrunnen und folglich idealer Bestandteil der gesunden Ernährung – so sehen Mediziner den Knoblauch. Am gesündesten ist natürlich die frische Zehe in Speisen aller Art. Und das gilt insbesondere für ältere Menschen. Es gibt neben der Würzpflanze aber auch Fertig-Präparate von Saft bis Dragees, und die meist gestellte Frage der Kunden lautet: Rieche ich hinterher oder nicht? Die Theorien zur Beantwortung dieser Frage gehen weit auseinander. Die Vernunft legt allerdings nahe, dass nur wirkt, was auch duftet. Gerade die klassische Knoblauchfahne beweist ja, dass die Wirkstoffe innerhalb von nur ein paar Minuten ihren Weg durch den ganzen Körper bis in die feinsten Verzweigungen des Blutes und der Lungen nehmen und sich in allen Poren und den abgelegensten Zellen entfalten. Der Geruch entsteht dann auf der Haut wie im Atem. Bei den therapeutisch optimalen Dosierungen von täglich 4 Gramm frischem Knoblauch oder entsprechend 2 g getrocknetes Pulver (das entspricht einer großen Knoblauchzehe oder zwei kleinen) riecht der Mensch danach – und das ist auch die empfohlene Tagesdosis der Naturheilkunde zur Vorbeugung. Manche Präparate, die anscheinend keinen Geruch erzeugen, liegen deutlich tiefer in den Dosierungen, ölige Auszüge sind scheinbar weniger wirksam.

Sebastian Kneipp:
„Ich habe die tiefste Überzeugung, dass die Kräuter nicht nur Heilmittel, sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind; ein Blick auf das, was die Kräuter leisten, überzeugt uns ja davon.“

Tipp am (Weges-)Rande:
Beim Bau der ägyptischen Pyramiden wurden die Arbeiter mit täglichen Knoblauchrationen fit gehalten – und streikten, als die Dosis einmal zu niedrig ausfiel. Und dabei kannten die Alten Ägypter Dracula noch nicht!

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde - Universitätsspital Zürich
Charité Berlin

Lavendel

Der Blaue mit dem französischen Akzent
und der beruhigenden Wirkung ...

Es gibt ein Klischee über die Provence, und während Sie das hier lesen, wissen Sie sicher schon, was ich meine. Oder tauchen vor Ihrem inneren Auge nicht sofort die endlosen Lavendel-Felder auf, sobald Sie das Wort „Provence“ lesen? Noch in einem zweiten Sinne ist der Lavendel provenzalischer Klassiker, nämlich als Bestandteil der beliebten küchenfertigen Kräutermischung. Zusätzlich zu den Vorzügen des Erscheinungsbildes und des Duftes ist die Lavendelpflanze auch naturheilkundlich im Einsatz. Sebastian Kneipp (1821 – 1897) befand, die Pflanze oder zumindest das Öl aus den Blüten gehöre in jede Hausapotheke. Verwendet wird der blaue bis violette Lavendel gegen Stressfolgen wie Unruhe und Nervosität, Schlafstörungen, nervöse Magen-/Darmbeschwerden und Kopfschmerzen bis hin zu Migräne. Selbst Gesunde empfinden den feinen, lieblichen und irgendwie sonnigen Duft als wohltuend und entspannend. Im Gegensatz zu Stressgeplagten und Parfümeuren kann eine spezielle Art Wesen den Lavendelduft überhaupt nicht leiden: die gemeine Motte. Daher finden sich Lavendel-Duftkissen nicht nur in Schlafzimmern als Einschlafhilfe, sondern auch in Kleiderschränken als Reinlichkeitshüter. Darüber hinaus hat Lavendel optimale Team-Fähigkeiten. So ist er in vielen, auch einigen berühmten Parfüms enthalten und eignet sich als Einschlafmittel in Kombination mit weiteren wirksamen Stoffen wie Baldrian oder Zitronenmelisse.

Unser Tipp: Lavendel
Als Tee oder Öl wird Lavendel eingesetzt gegen Unruhe, Erschöpfung, Kopfweh und Magen-Darm-Beschwerden, als Duftkissen liegt er am Bett, um zu beruhigen oder als kleiner Einschlafhelfer; als Badezusatz wirkt er hautfreundlich, schlaffördernd und harmonisierend aufs Gemüt.

Was würde Kneipp wohl zum Thema „Herbes de Provence“ sagen?
Sicher dies (aus einem Vortrag): „Ich habe die tiefste Überzeugung, daß die Kräuter nicht nur Heilmittel, sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind.“

Tipp am (Weges-)Rande:
Es gibt ein Lavendelmuseum in Coustellet, 20 Kilometer von Avignon entfernt – vielleicht ein lohnendes Sommer-Ausflugsziel nicht nur für unsere reiselustigen Kneipp-Vereine.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde Charité Universitätsmedizin Berlin


Lindenblüten

Lindert Beschwerden von Erkältung bis Grippe

In früheren Zeiten, als das klassische mitteleuropäische Dorf im Ortskern einen Brunnen hatte und daher auch einen Dorfplatz, da schmückte oft eine Linde diesen Platz. An ihren Ästen wurden die Missetäter gehängt und in ihrem Schatten feierten die Leute Hochzeiten, tauschten Klatsch aus oder versammelten sich, wenn der Steuereintreiber kam. Damals war allgemein bekannt, dass die Blüten bei Grippe, Katarrh und Husten helfen und Fieber senken. Die große Zeit des Dorf-Lindenbaums ist vorbei, geblieben sind seltene Zeugnisse dieser großen Vergangenheit (wie die malerische Allee von Himmelkron in Franken) – und nicht zuletzt der gute Ruf der „lindernden Linde“ als Heilpflanze. Die Schweiß treibende Wirkung ist erstaunlich und so lieben viele Menschen den Tee einfach als allgemeinen Gesund-Erhalter.

Unser Tipp: Lindenblüte Bereits Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) bedauerte, dass junge Leute kaum noch Lindenblüten sammeln, und setzte auf die Schweiß treibende Wirkung eher der Dämpfe als des Tees. Er fand nämlich, dass Schwitzkuren schwer kranke Menschen viel zu sehr anstrengen – und hatte völlig recht damit. Lindenblütentee verdoppelt vorübergehend die Schweißmenge und kühlt dadurch den Körper; wer es also einsetzt, sollte vorsichtig dosieren. Lindenblütentee soll auch Grippe vorbeugen und die Heilung unterstützen, Katarrhe der Atemwege und trockenen Reizhusten lindern. Moderne Heilpflanzenfirmen mischen die Blüten gern mit passenden Mitstreitern wie Holunder, Pfefferminz und Thymian und verkaufen das als Erkältungstee.

„Möge sich ein jeder wie die Pflege der Seele,
so auch eine richtige Pflege des ganzen leiblichen Organismus
angelegen sein lassen!“ (Sebastian Kneipp)

Tipp am (Weges-)Rande: Raucherhusten, der oft morgens auftritt und einen heiseren, trockenen Klang hat, kann ebenfalls durch Lindenblütentee gelindert werden. Eine Lösung ist das natürlich nicht – letztlich hilft gegen diesen Husten nur eins: Aufhören zu rauchen. Die Symptome lassen sich aber damit lindern.

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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde Charité Universitätsmedizin Berlin

Löwenzahn

Überlebenskünstler mit Heilertalent

Dass seine Blätter und Wurzeln dem sommersprossigen Teint einen kleinen Schönheitskick gewähren und die lästigen Gesichtspunkte verblassen lassen, glaubt heute niemand mehr. Trotzdem lieben viele Menschen diesen Frühlingsboten. Denn sobald der letzte Schnee geschmolzen ist, überzieht die Massenblüte mit ihrem knalligen Gelb aufs dekorativste die frischen Wiesen. Städtische Zeitgenossen rechnen der Pflanze hoch an, dass sie sich unter miesesten Umweltbedingungen selbst in staubigen Pflasterfugen festsetzt. Der Löwenzahn hat aber neben diesen bewundernswerten Selbstbehauptungstendenzen auch heilende Fähigkeiten – und dafür lieben ihn Naturheilkundler und Patienten.

Unser Tipp: Löwenzahn

Seine Bitterstoffe fördern den Appetit und treiben Galletätigkeit und Magensaftproduktion an. Weitere Stoffe aus dem Löwenzahnblatt erhöhen die Wasser- und Salzausscheidung über die Niere. Somit eignet sich der Extrakt bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl und bei Störungen des Gallenflusses. Traditionell in der Erfahrungsmedizin, wenn auch nicht wissenschaftlich untermauert, findet Löwenzahn außerdem Verwendung bei Rheuma, Gicht, Arthrose, Nierengrieß, Bronchitis, Husten, Fieber sowie, äußerlich angewendet, bei Ekzemen, Hühneraugen und Warzen.

Naturheilkundler empfehlen außerdem eine vier- bis sechswöchige Frühjahrskur mit Tee oder Saft zur Rundum-Stärkung von Stoffwechsel bis Immunsystem. Zu Kneipps Zeiten nannte man das noch „Blutreinigung“. Dafür zweimal am Tag 1 TL Blätter aufkochen, eine Viertelstunde(!) ziehen lassen.

Sebastian Kneipp hat geschrieben, dass ein großer Teil der Magenleiden von der falschen Ernährung kommt. Er bedauerte die Mägen seiner Patienten geradezu:

„Wie viel muß er aufnehmen, was dem Gaumen behagt, dem Magen aber schadet!“ - Sebastian Kneipp

Tipp am (Weges-)Rande:
Nicht nur Kinder in Kneipp-Kindergärten kennen den feinen Geschmack junger Löwenzahnblätter im Salat. Hier sind die heilenden Inhaltsstoffe in winzigsten Mengen vorhanden und es schmeckt gut (wenn die Blume noch jung ist, mit dem Alter wird das Blatt zunehmend bitter).

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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde - Universitätsspital Zürich

Melisse

Sommerdrink mit Anti-Stress-Faktor

Wem Stress und Sorgen nicht nur aufs Gemüt, sondern auf Herz oder Magen schlagen, der ist mit dieser Pflanze richtig bedient. Ganz besonders, wenn er nicht krank ist, sondern eher nervös oder traurig. Auch wer aus Gründen wie Versagensangst, Leistungsdruck und dergleichen schlecht einschläft, könnte es mal mit der Melisse versuchen. Die Blätter veredeln mit ihrer zarten Zitronen-Note gerne einen Salat, bieten aber auch einen fein-frischen Geschmack im Saft. Nicht zuletzt ist Melisse eine Klassikerin bei der Behandlung von (manchmal ebenfalls stress-bedingten) Lippenbläschen: Die Blasen heilen schneller ab und es werden keine neuen gebildet. Sofern Kopfschmerzen durch Sorgen entstanden sind, spricht man der Melisse auch in diesem Bereich eine lindernde Wirkung zu. Nicht erst Sebastian Kneipp (1821 – 1897) schätzte die unscheinbare Blume.
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Unser Tipp: Melisse
Melissentee – vielleicht gemischt mit Apfelsaft oder Pfefferminztee – ist ein leckerer und erfrischender Sommerdrink und wirkt entblähend, beruhigend und entkrampfend, lindert auch nervöse Magenbeschwerden. Beliebt auch als Potpourri in „Schlaf- und Nerven“-Tees mit z.B. Baldrian und Hopfen. Presssaft oder Extrakt sind ebenfalls erhältlich und eignen sich genauso gut in Cocktails – auch für Kinder. Das enthaltene Citronellöl ist für die beruhigende Wirkung verantwortlich.
Als wohlriechender Zusatz fürs Entspannungsbad „after work“ ist die Melisse optimal, allerdings verwendet man hierfür eine andere Pflanze, die so genannte indische Melisse. Manche Ärzte empfehlen Melisse-Bäder auch Frauen in den Wechseljahren, die unter besonderer Anspannung leiden.
Melissenöl oder -Salbe gegen Lippenbläschen unbedingt in der Apotheke kaufen. Lassen Sie sich von Fachmann oder -frau beraten, denn es gibt auch „gestreckte“ Produkte, die Lippenbläschen reizen statt heilen.

Kneipp: „Bei allen Warmbädern benutze ich nie oder höchst selten Warmwasser allein, ich mische stets Absud von verschiedenen Heilkräutern bei.“

Tipps am (Weges-)Rande: Melisse sieht der Taubnessel ähnlich, riecht aber besser – eben leicht zitronig. Das wissen auch die Bienen zu schätzen, die Melissen sehr lieben.

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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde
Charité Universitätsmedizin Berlin

Petersilie

Würzt gut, schmeckt gut, spült gut

Heute streuen wir ja die Blätter dieser Pflanze ohne Hintergedanken in jedes klassisch deutsche Mittagsgericht. Aber noch vor 500 Jahren galt sie weniger als Würzmittel, spielte vielmehr eine Rolle als recht widersprüchliche Requisite der Erotik: die Petersilie. Ob man ein Baby haben oder eben nicht haben, ein liebes Ehegespons zu mehr Lüsternheit oder ein unliebsames unter die Erde bringen wollte – hier war Petersilie das Mittel der Wahl. Im Mittelalter gar trug so manche Straße mit Strich den Namen „Petersilgasse“. Übrig bleibt von all den angedichteten Wirkungen, die der Pflanze in der Antike und bis in die Neuzeit hinein angedichtet worden sind, wenig. Heute gilt als wissenschaftlich belegt, was Heilkundige schon immer wussten: Petersilie regt die Nieren an – und das in freundlicher, sanfter und würziger Art und Weise, so dass das Kraut tatsächlich gefahrlos und ohne größere Wirkung auf Potenz oder Schwangerschaft in Gulasch, Braten oder Spaghetti Bolognese verwendet werden darf.

Unser Tipp: Petersilie

Wie bei allen Heilpflanzen ist die Wirkung eine Frage der Dosierung. Grundsätzlich können Sie Ihre Gerichte üppig mit Petersilienkraut oder -wurzel verfeinern, ohne Schaden anzurichten. Als Tee oder Tabletten aus der Petersilie stellen Pharma-Unternehmen oder Apotheker jedoch Mittel zur Durchspülungstherapie bei Nierengrieß und Krankheiten der ableitenden Harnwege her – wozu reichlich zu trinken ist. Einnahme von Unmengen von hochkonzentriertem Öl könnte tatsächlich Kinder gefährden. Haben Schwangere jedoch Probleme mit dem Wasserhaushalt, so eignen sich andere Pflanzen ohnehin besser zur Entwässerung.

„Ich kann nicht genug betonen, esset langsam,
kauert die Speisen vorerst tüchtig,
dann schluckt sie, trinkt nicht zwischen das Essen hinein.“
(Sebastian Kneipp)

Tipp am (Weges-)Rande: Nach 12 Jahren und sechs Monaten feiert man die „Petersilienhochzeit“. Zweimal Petersilienhochzeit ergibt Silberhochzeit – und die ist viel berühmter als ihre bessere (oder schlechtere) Hälfte.

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Pfefferminz

Würzt, heilt, entkrampft und belebt

Sie ist ein wahrer grüner Goldschatz unter den Kräutern, vielseitig und mit einer frischen, belebenden Ausstrahlung. Wir Europäer schätzen den sauberen Geschmack im Tee, die Marokkaner haben sogar ein Nationalgetränk draus gemacht und würzen außerdem Suppen, Soßen und Salate damit. Das Kraut bzw. Öl findet außerdem weltweit als Zutat in Zahnpasta, Mundwasser, Bädern, Schokoladenbonbons und anderen Süßigkeiten seinen wohlverdienten Platz als kühlende Geschmacksnote. Heilkundige schätzen nicht zuletzt die wohltuende Wirkung auf Magen, Darm und Galle und – äußerlich angewendet – auf die Atemwege.

Unser Tipp: Pfefferminz

Gegen Kopfschmerzen hilft Pfefferminzöl im Stirnumschlag, gegen Erkältungen tut man ein Paar Tropfen ins Inhalationswasser oder reibt die Brust mit verdünnten Lösungen oder Salben ein. Das erweitert die Atemwege, lindert Schmerzen und löst Krämpfe. Gegen Blähungen setzt man das Öl oder den Tee zusammen mit Kamille, Fenchel, Anis und Kümmel ein, oft in Kombi-Präparaten, denn es wirkt auch im Verdauungstrakt schmerzlindernd und krampflösend. Bei entzündetem Zahnfleisch hilft unter anderem die Eigenschaft des Pfefferminzöls, zu desinfizieren und zu kühlen (was eigentlich bedeutet, die Kälterezeptoren in der Schleimhaut zu aktivieren - das setzt die Schmerzempfindlichkeit herab). Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) lobte die Minze als Hauptmittel zur Verdauungsförderung:

„Schon der würzige Geruch zeigt an,
dass dieses Kräutchen bezüglich seiner Heilkraft
einen vornehmen Platz einnehmen müsse.“
(Sebastian Kneipp)

Tipp am (Weges-)Rande: In Eichenau bei München gibt es das einzige Pfefferminzmuseum in Deutschland. Es ist klein, aber fein, und jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Eintritt gratis! Mehr unter www.minzmuseum.de
Vorsicht geboten ist mit Pfefferminz bei Schwangerschaft und bei Gallensteinen. Außerdem aufpassen, dass das Öl nicht zu dicht an die Augen gelangt, es brennt fürchterlich.

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Ringelblume

Hautschmeichler und Wundheiler

Diese kleine und unscheinbare Blume ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch natürlicher Balsam für die gestresste oder spröde Haut. Es gibt sie in der klassischen Gänseblümchenform oder gefüllt, und die kräftige Farbe zwischen zitronengelb und Sonnen-Orange inspirierte in alten Zeiten die Mädchen, die Blüte in Haarkränze einzubinden. Einmal ausgesät, breitet sich die kleine Sonnenfreundin gern aus und ist daher ein dankbarer Gartenbewohner in unseren Breitengraden. Nach Verarbeitung entfaltet sie ihre positive Wirkung in Aufgüssen oder Gels, Salben und Cremes.

Unser Tipp: Ringelblume
Die Ringelblume kommt nicht nur bei Entzündungen im Mund zu Ehren, sondern auch bei Wundheilungsstörungen aller Art und in der Wundreinigung. Sie hemmt Entzündungen und fördert die Granulation bei Wunden (ungenau übersetzt bedeutet das, die Heilschorfbildung unterhalb der Hautschicht). Nicht zuletzt benutzen viele Menschen mit trockener Haut Ringelblumen-Hand- oder -Fußcremes und reichhaltige -Bodylotions für die tägliche Pflege nach der Dusche.
In Kombination mit anderen Entzündungshemmern ist sie Standard-Zutat in heilsamen Salben oder Umschlägen. Wer Venenleiden oder Verletzungen vor allem entzündlicher Art hat, schätzt ihre schmerzstillende und heilungsfördernde Wirkung. Umschläge auf Wunden mehrmals täglich auflegen, Mundspülung ebenfalls mehrmals täglich wiederholen. Und so braut man den Aufguss: zwei Teelöffel getrocknete Blüten mit Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen,
Gartenbesitzer haben hier eine schöne, unkomplizierte und kostenlose Pflanze für Do-it-yourself-Salben. Wollen Sie es probieren? In diesem Fall mit nicht zu heißem Fett ansetzen, kühl lagern und innerhalb von 4 Wochen aufbrauchen. Aber Vorsicht, manche Menschen ekeln sich vor dem Geruch.

Tipp am (Weges-)Rande: Die Früchte haben eine zusammengerollte Form – daher kommt wohl auch der Name.

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Rosmarin

Passt in die Hausapotheke, in die Wanne und aufs Hähnchen

Diese Pflanze begeistert dank ihres kräftigen Aromas Köche in aller Welt, speziell jedoch solche aus Italien und Frankreich – und jeden, der schon einmal Tim Mälzers Kräuter-Hähnchen nachgekocht hat. Tatsächlich macht der Rosmarin nicht nur Fleisch, Marinaden, Kartoffeln und Pizzen feiner, sondern auch einen niedrigen Blutdruck höher (hohen Blutdruck jedoch nicht noch höher!). Rosmarin verleiht auf sanfte Art neue Kräfte und mehr Appetit, oder er beruhigt – je nach dem, was das Herz gerade braucht. Eine Heilpflanze mit einer so stärkenden und vielseitig wohltuenden Wirkung darf natürlich in keiner Hausapotheke fehlen, fand nicht erst Sebastian Kneipp (1821 – 1897). Der kluge „Wasserdoktor“ setzte Rosmarin als Magenmittel und zur Herzstärkung ein. Beides tun Heilkundige heute noch, loben jedoch zusätzlich die durchblutungsfördernde und venenstärkende Wirkung des Rosmarins als Badezusatz und seine Wirkung bei Rheuma. Der Vorteil von Rosmarin als Badezusatz liegt darin, dass er einem möglichen Blutdruckabfall (wie er bei warmen Bädern vorkommen kann) entgegenwirkt.

Unser Tipp: Rosmarin
Er regt den Appetit und den Kreislauf an, wirkt gegen Blähungen, stärkt das Nervenkostüm. Dies alles, wenn man ihn in Form von Tee oder als (von Sebastian Kneipp seinerzeit besonders als Herzmittel verabreicht) Wein trinkt. Äußerlich angewendet, entfaltet der Rosmarin wieder durchblutungsfördernde Wirkung und ist in dieser Eigenschaft ein beliebter Badezusatz. Hier sollte man beachten, dass solche Bäder lieber nicht zu spät abends und nicht zu lange genommen werden sollten – sonst hindert das belebende Kraut am Einschlafen und überfordert vielleicht auch eine empfindliche Haut.

Kneipp: „Ein Sträußchen von Rosmarin darf am Hochzeitstage keinem Gaste (...) fehlen.“
(In alten Zeiten war Rosmarin Symbol für Lebensfreude, Liebe und Treue)

Tipp am (Weges-)Rande: Die blauen Blüten des Rosmarin sind klein, aber lieblich, und haben je nach Sorte eine Farbe wie das Meer an einem sonnigen Tag. Für die Herstellung von Badezusätzen, ätherischen Ölen oder von Gewürz werden jedoch die nadelartigen Blätter verwendet – je frischer, desto besser. Beim Trocknen wird der Rosmarin geschmacklich milder und ein bisschen bitterer.

Aus unbekannten Gründen heißt Rosmarin in einigen Fremdsprachen (Wort-für-Wort übersetzt) „Berg-Krone“. Ob sich das auf die Küchenqualitäten des Krauts bezieht?

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Rotklee

Futterpflanze gegen Husten, Halsweh und Hautkrankheiten

Was steht auf der Wiese und hat einen roten Kopf? Eine selbst heute noch hierzulande in Massen vorkommende Heilpflanze, jedem Kind bekannt: der Wiesen- oder Rotklee. Das kleine buschige Köpfchen ist eigentlich nicht eine Blüte, sondern viele. Hummeln lieben sie sehr, sie haben einen zweckdienlichen langen Rüssel, Landwirte schätzen den Effekt des Klees als Gründünger. In der Naturheilkunde findet die Pflanze unter anderem gegen Wechseljahresbeschwerden Verwendung. Die Tatsache, dass in asiatischen Ländern kaum Frauen unter diesem Syndrom leiden, legt nahe, es könnte an der Ernährung liegen. In Asien nimmt frau nämlich keine Milch zu sich, dafür viel Soja. Dieses wiederum ist Hauptlieferant der Isoflavone. Da Europa wenig Soja produziert, entdeckte die Wissenschaft den Klee als isoflavon-reiche Alternative auf heimischem Wiesengrunde. Dass es Zusammenhänge zwischen Klee und Sexualhormonen gibt, wissen zumindest die Veterinärmediziner schon länger. Trächtige Schafe sollten nicht zu viel Klee erwischen, sonst könnte das Lamm ernsthafte Probleme bekommen.

Der Einsatz von Rotklee als Homon-Ersatz ist durchaus umstritten. Denn ebenso wie die chemische Hormonkeule wechseljahres-gebeutelten Frauen auf Dauer eher schadet als nützt, könnte das auch auf Rotkleepräparate zutreffen. Zumindest wenn man es mit der Dosierung übertreibt. Als kritische Patientin sollte man also unbedingt vor einer Selbst-Therapie seinen Arzt oder seine Ärztin zu Rate ziehen. Viele Menschen glauben, Pflanzen- statt synthetischen Mitteln seien gesünder, weil sie keine Nebenwirkungen haben. Dies ist vielfach falsch.

Unser Tipp: Rotklee
In der Naturheilkunde wird der Rotkleetee gegen Schnupfen, Husten (auch Keuchhusten) und Bronchitis getrunken. Verwendet werden dafür die Blüten. Bei Halsschmerzen und Wundstellen im Zahnfleisch hilft Gurgeln mit dem Tee. In Umschlägen hilft er gegen rheumatische Beschwerden, Schuppenflechte und anderen Hautkrankheiten sowie in der Wundbehandlung. Vorbeugend eingesetzt soll er den Cholesterinspiegel verbessern. Plausibel ist auch, dass Rotkleetee sich bei der Verteidigung gegen Freie Radikale im Körper und somit als Förderer des Gesamtgesundheitszustands nützlich hervortut. Sprossen und Blüten kann man ohne Gefahr für Leib und Leben im Salat verwenden.

Für den Tee einen Esslöffel frischer oder getrockneter Blüten mit kochendem Wasser übergießen und 5 bis 10 Minuten ziehen lassen. Bis zu dreimal am Tag.

Sebastian Kneipp:
„Mit jedem Schritt und Tritt, welchen wir in der herrlichen Gottesnatur machen, begegnen wir immer wieder neuen Pflanzen, die für uns höchst nützlich und heilbringend sind.“

Tipp am (Weges-)Rande:
Gehören Sie zu den abergläubischen Menschen? Dann hier ein kleiner Hinweis: Die Chance, ein vierblättriges Rotkleeblatt zu erwischen, beträgt gerade mal 1 Prozent.

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Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde Charité
Universitätsmedizin Berlin

Salbei

Raffiniert und magenfreundlich

Er ist ein prächtiges Beispiel für die kreative Verschwendungssucht der Natur, denn es gibt ihn angeblich weltweit in über 900 Arten, und das in den unglaublichsten Geschmacksrichtungen von Ananas bis Rauch. „Wer auf Salbei baut / den Tod nicht schaut“, heißt ein Sprichwort aus vergangener Zeit. Dass dies genau betrachtet ein leeres Versprechen ist, verzeihen Genießer und Heilkundige dem Volksmund wie der Pflanze und verwenden die Blätter gerne: Die einen lieben das Gewürz, die anderen das Heilmittel für Mund und Magen. Als italienisch-raffinierter Knuspergenuss empfehlen sich Salbeiblätter zur Vorspeise: in Olivenöl gebraten.

Unser Tipp: Salbei

Mit seinen Bitterstoffen und etherischen Ölen wirkt Salbei bei Völlegefühl, Blähungen, Entzündungen in Mund, Rachen, Magen und Darm. Er bekämpft Bakterien, Pilze und Viren, fördert die Schleimlösung und passt daher nicht nur als Gurgelmittel, sondern auch im Umschlag bei schlecht heilenden Wunden. Zur Gewohnheit sollte man sich nicht unbedingt den Tee machen, im Akutfall jedoch ist er genau das Richtige.

Manche Phytotherapeuten schwören auf den Salbei auch, um übermäßige Schweißbildung zu verhindern, so als Gegenmittel bei Hitzewallungen in den Wechseljahren. Da es aber lediglich die Symptome mindert, während die Ursache munter weiter wallt, keine nachhaltige Therapie.

„Wer ein Gärtchen beim Hause hat, wird, wenn er es neu anlegt, den Salbeistock nicht vergessen; er ist eine hübsche Zierpflanze.“ - Sebastian Kneipp

Salbei stärkt die geistige Leistungskapazität; Salbei erhöht die Gedächtnisleistung und ist äußerst vielseitig, hemmt Entzündungen und Schweißbildung, entfernt Verschleimungen in Gaumen und Hals, lindert Verdauungsbeschwerden und wirkt also gegen die verschiedensten Beschwerden von A wie Akne bis Z wie Zahnfleischentzündungen. Geschnittene Blätter eignen sich für Tee, Destillate zum Gurgeln, Saft für die innere Anwendung – und nicht zuletzt riecht und schmeckt Salbei gut. Nicht nur Kneipp-Freunde halten sich gern einen Salbeistrauch und zupfen die Blätter aus, um beispielsweise Fleisch, Omelette oder die Champignonsauce damit zu würzen. Wer es herb und leicht bitter mag, probiere die Blätter pur als Vorspeise. Dazu einfach Salbeiblätter in Olivenöl kross anbraten und mit Brot servieren.

Tipp am (Weges-)Rande:
Unsere Vorfahren hatten noch keine Zahnbürsten. Stattdessen reinigten sie Zähne und Zahnfleisch mit Salbeiblättern. Sebastian Kneipp empfahl pulverisierte Blätter als Zahnpulver und empfahl bei den genannten Leiden, zerhackte Salbeiblätter „wie Pfeffer, Zucker oder Zimt“ auf die Speisen zu streuen.


Schlehdorn

Prächtige Frühlingsbotin und dezente Verdauungs-Muntermacherin

Auf dem Lande kennen ihn die Menschen als prächtigen Vorboten des Frühlings am Wegesrand und als gefällige Heckenpflanze. Früher erntete man die weiße Blütenfülle im März/April und verwendete sie zur „Blutreinigung“. Ein Verfahren, das unter diesem Namen aus der Mode gekommen ist, heute würde man vielleicht eher sagen: „Anregung der Ausscheidungsfunktionen von Leber, Niere und Darm.“ Die dunkelblauen Früchte gehören traditionell als Wein, Schnaps oder Likör „Hausfrauenart“ auf jede gemütliche bis elegante Festtafel. Auch alkoholfrei, als Mus, Marmelade oder Sirup, gewinnt die Schlehenfrucht so manchen Fan, denn sie schmeckt gut, herb und ein bisschen säuerlich – zumindest sofern der Strauch vor der Ernte wenigstens einmal tüchtig Frost bekommen hat. Sonst kann die Bitterkeit und die adstringierende (schleimhaut-zusammenziehende) Wirkung zu stark werden und Brechreiz auslösen!

Unser Tipp: Schlehdorn Heilsam wirkt die Schlehenfrucht ebenso wie Tee aus getrockneten Blüten auf jeden Fall bei Entzündungen im Mund und Rachen. Darüber hinaus regt die Frucht Appetit, Darm und Niere an, aber ganz dezent. So gilt sie dem Naturheilkundler als sanftes Mittel mit zwei Einsatzgebieten. Noch Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) nannte die „Dornschlehblüte“ das „schuldloseste Abführmittel“ und empfahl es als Muss jeder Hausapotheke und weiter:

„Als Magenmittel, als reinigendes und stärkendes,
kann ich diesen Tee ... bestens empfehlen“
(Sebastian Kneipp)

Tipps am (Weges-)Rande: Experimentierfreudige Einmach-Expert/innen wissen, dass sich die Schlehen geschmacklich bestens mit Birne, Apfel und Brombeere vertragen.
Naturschützer empfehlen Schlehdorn als Heckenpflanze aus einem ganz anderen, jedoch nicht minder überzeugendem Grund: Unzählige Vogel- und Insektenarten finden hier eine nahrhafte Speise, auch im Winter. Da kann beispielsweise die Thuja nicht mithalten!

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Schlüsselblume

Von Elfen und Behörden beschützt

Trockene Wiesen, lichte Wälder oder lauschige Waldränder – hier fühlt sie sich wohl und verzaubert mit ihren dezent gelben Blüten jeden, der sie zu sehen bekommt. Was immer seltener wird: Die Schlüsselblume, klassischer Frühlingsbote Mitteleuropas und Vorderasiens, leidet unter der Verarmung der Natur, ihr Bestand ist gefährdet, und darüber sind laut Mythen auch die Elfen traurig. Denn sie lieben die Schlüsselblume und haben sie in ihren besseren Zeiten auch beschützt. Das tun heute u.a. die bundesdeutschen Naturschutz-Behörden. Für Heilkundige ist die Pflanze, vor allem in Kombination mit anderen Mitteln, als Schleimlöser im Einsatz und findet sich daher in vielen marktführenden Hustensäften.

Unser Tipp: die Schlüsselblume

Die Blüten mit ihren lieblichen Kelchen verbreiten Schönheit und bergen Heilkraft, die Wurzeln fahren jedoch die stärkeren Geschütze auf, und zwar gegen Lungen- und Bronchienkrankheiten. Sie regen die Verflüssigung von Schleim an und werden daher verwendet bei Katarrhen, Husten – auch bei dem durch Herzschwäche bedingten Altershusten –, Erkältung und Bronchitis. Aus den Blüten bedient sich der Phytofachmann / die Phytofachfrau ebenfalls und bekämpft damit Nasennebenhöhlenentzündungen. Bis auf vereinzelt auftretende Magenbeschwerden ist die Pflanze nebenwirkungsfrei.

In der traditionellen hiesigen Volksheilkunde kam die Schlüsselblume zu ihren elfen-beschützten Zeiten auch gegen Stoffwechselkrankheiten wie Gicht oder Arthritis zum Einsatz. Dies ist heute jedoch kaum noch üblich.

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) setzte neben Heilpflanzen übrigens auch sehr erfolgreich kalte Güsse gegen die genannten Lungen- und Bronchienerkrankungen ein und begründete diese Therapie so:

„Der Oberguss unterstützt die Natur,
allen Unrath aus Luftröhre, Lunge und Brust hinaus zu werfen.“Sebastian Kneipp

Tipp am (Weges-)Rande:
Der Name der Blume kommt wohl von ihrem Aussehen, das dem eines Schlüsselbundes gleicht.

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Spitzwegerich

Hustensaft aus der Natur

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) lobte die Fertigkeiten der Spitzwegerichblätter in der Wundheilung, fügte aber hinzu: „Die Wirkung dieser Pflanze nach innen ist nicht minder vorteilhaft.“ Daher gibt es viele Hustensäfte, die Spitzwegerich enthalten. Er lindert den Hustenreiz, hilft dem Körper bei der Abwehr von Bakterien, schützt die Schleimhaut im Rachenbereich und schützt daher vor neuer Infektion. So ist es ein von alters her bewährtes und hierzulande überall verfügbares Hausmittel bei Bronchitis, Atemwegskatarrhen, Keuchhusten und bei Entzündungen in Mund und Rachen.

Unser Tipp: Spitzwegerich
Am besten als Presssaft im Anti-Husten-Einsatz. Für Tee 2 gehäufte Teelöffel Teedroge auf eine Tasse kochenden Wassers, 5 Minuten ziehen lassen, dreimal am Tag trinken – oder in kleinen Schlucken über den Tag verteilt. Nach Geschmack mit Honig süßen. Da das Kraut auf so ziemlich allen Wiesen lebt, empfiehlt sich für Familien, übers Jahr einen Spitzwegerich-Honig anzulegen. So haben Sie immer Vorrat eines natürlichen Erkältungsmittels im Hause.

„Daß doch Hunderte von Menschen im Frühjahr oder Sommer diese Heilblätter sammelten, zerquetschten, die Säfte auspressten und tränken! Zahllose innere Gebrechen (...) würden nicht eintreten.“

Tipp am (Weges-)Rande:
Kneipp hatte Recht: Bei kleinen Verletzungen etwa bei einer Wanderung ist der Schleim aus den Blättern des Spitzwegerichs ein optimaler Erste-Hilfe-Assistent. Laut Kneipp beugt er Infektionen vor und sorgt für eine problemlose Wundheilung. In der volkstümlichen Heilkunde kam er vor allem bei Insektenstichen oder bei brennenden / schmerzenden Wunden zum Einsatz.

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Tausendgüldenkraut

Zierlich, bescheiden und 1000 Gulden wert

Man soll niemals gedankenlos an den unscheinbaren Dingen vorbeigehen. Einen Beweis dafür liefert das etwas glanzlose und gern im Verborgenen wachsende Tausendgüldenkraut. Es hat nämlich mehr zu bieten als man auf den ersten Blick meinen könnte: beispielsweise die poetische Eigenschaft, die dezent rosafarbenen Fünferblüten nur bei Sonnenschein zu öffnen. Bei Heilkundigen genießt das Enziangewächs einen guten Ruf als Bitterpflanze, die nicht nur den Magen, sondern den ganzen Menschen anregt. Dabei entfaltet sie ihr wahres Wesen nach demselben Prinzip der Bescheidenheit wie beim Aussehen – erst mit der Zeit schlägt ihre Therapie an.

Unser Tipp: Tausendgüldenkraut

Sebastian Kneipp
(1821 bis 1897) lobte, das Kräutchen leiste die Hilfe dem 1000-Gulden-Namen zum Trotz gratis. In Zeiten ökologisch verödeter Moorwiesen stimmt diese Aussage heute nur noch bedingt.
Tausendgüldenkraut regt Speichel- und Magensaftfluss an, fördert Verdauung und Appetit, bessert bei anhaltender Einnahme Erschöpfungszustände und soll das Herz-Kreislaufsystem stabilisieren. Diese Wirkungskombination passt besonders gut unterstützend bei einer Therapie wegen Magersucht oder bei verschiedenen Magen-/Darmkrankheiten. Mitstreiter findet das Kraut dabei zuweilen in Wermut und Schafgarbe.
„Tausendgüldenkraut hat gewiß seinen Namen nicht umsonst;
es ist ausgezeichnet in seinen Wirkungen.“ (Sebastian Kneipp)

Tipp am (Weges-)Rande: Tausendgüldenkraut steht unter Naturschutz. Europäische Firmen beziehen das Kraut aus Südosteuropa und Marokko.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde
Charité Universitätsmedizin Berlin

Thymian

Heilt und schmeckt

Sagen Sie es nicht weiter, aber was wir heute wegen seines bitterscharfen Aromas in jeder anständigen Minestrone verspeisen, galt als das Viagra des Alten Rom (zumindest des dekadenten Alten Rom): Thymian hat sicher bei keiner Orgie gefehlt, die ihren Namen verdient. Der Rauch soll in vorbiblischen Zeiten Benommenheit für spirituelle Zwecke geweckt haben. Heute, viele tausend Jahre später, ist der Thymian ein allseits anerkannte Heil- und Gewürzkraut und somit geschätztes Handwerkszeug für den Koch wie für den Heilkundigen.

Unser Tipp: Thymian
Ob Bronchitis, Husten, Keuchhusten oder Katarrhe der oberen Luftwege: Hier wirkt Thymianlösung krampf- und schleimlösend. Als Gurgelmittel hemmt und desodoriert er Entzündungen in Mund und Rachen. Allgemein hemmt das ätherische Öl viele Krankmacher wie Bakterien, Hefen, Schimmelpilze und Viren und riecht dabei angenehmer als das in den letzten Jahren in Mode gekommene australische Teebaumöl. Außerdem soll sich Thymian auch bei Migräne oder zur allgemeinen Stärkung für Rekonvaleszenten eignen.
Äußerlich – etwa als Badezusatz – fördert er die Durchblutung. Geben Sie bei Bedarf dem Armbad Thymianöl zu. Dampf tief einatmen! Das empfinden die Atemwege als den Duft der Freiheit – daher die Verwendung als Erkältungsbad.
Als Gewürz oder Tee unterstützt der Thymian die Verdauung und mindert Krämpfe oder andere Verdauungsbeschwerden. Davon abgesehen schmeckt er bei präziser Dosierung einfach gut! Pilze, Wild, Quark, Kartoffeln – die ganze mediterrane Bandbreite vom Lammragout bis zum griechischen Salat erhält durch Thymian ihre spezielle lieblich-bittere Note.
Unliebsame Nebenwirkungen sind trotz der vielfältigen Einsatzgebiete des Krauts nicht bekannt.

Tipp am (Weges-)Rande: Thymian hat eine Eigenschaft, die ihn bei Köchen beliebt macht: Er verliert durchs Trocknen kaum an Geschmack.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde
Charité Universitätsmedizin Berlin

Wacholder

Eine besondere Zypresse mit vielfältiger Wirkung

Für oberflächliche Naturdurchstreifer ist er nur so eine Art Zypresse, Heilkundige kennen seine pflaumfarbenen Beeren als wassertreibend und vorbeugend gegen Erkältungen. Der aromatische, leicht bittere Geschmack deutet es schon an: Wacholderbeeren fördern die Verdauung und regen den Appetit an. Damit ist aber noch nicht erklärt, warum die Beere und das Holz in alten Zeiten als Superwaffe gegen böse Geister und sogar gegen die Pest galten. Vielleicht rührt dies von den kleinen kreuzförmigen Kerben an der Beere an der Stelle, wo die Fruchtblätter sich zusammenschließen. Wie viele Dämonen er auch immer verbannen mag, eins verbannt er besonders gekonnt: Blasenentzündungen.

Unser Tipp: Wacholder


Die Wacholderbeere wirkt harntreibend, indem sie die Durchblutung der Nieren fördert. Sie ist nicht giftig, trotzdem muss man nicht gleich – wie es die Leute früher taten – bis zu 30 Beeren am Tag schlucken, um Krankheitserreger abzuwehren oder den Stoffwechsel anzukurbeln. Das hieße es übertreiben. Für den Tee einen Teelöffel gequetschte Droge mit einer Tasse heißem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen. Eine solche Durchspülung kann man dreimal täglich sechs Wochen lang machen (nicht bei Schwangerschaft oder Niereninsuffizienz). Selbst Schulmediziner empfehlen den Tee zur Vorbeugung und als Therapie gegen Blasenentzündungen. Ihr Apotheker kennt sich aus, welcher Tee zu Ihnen passt – nebst Wacholder enthalten Blasentees gern auch Brennnessel, Schachtelhalm oder Birkenblätter.

Manch geplagter Zeitgenosse schwärmt vom Wacholder als Mittel gegen Kopfschmerzen; das wiederum dient in der Naturheilkunde zwar als Hinweis auf die entgiftende und Stoffwechsel fördernde Wirkung des Wacholders, geklärt oder gar nachgewiesen ist dieser Zusammenhang jedoch nicht.

Ärzte verschreiben Wacholder-Öl bei schmerzhaften Krankheiten des Bewegungsapparates wie Rheuma, Gicht, Hexenschuss oder Ischias. Entweder als Badezusatz oder als Direkthilfe auf die Haut beim schmerzenden Gelenk. Der Dampf tut den Atemwegen gut.

Tipp am (Weges-)Rande:
Die Altvorderen kennen den Wacholderschnaps, der bei Husten und Bronchialkatarrh zum Einsatz kam und äußerlich bei den genannten Beschwerden des Bewegungsapparats. Nicht zuletzt sei auch der Hinweis auf das Gewürz erlaubt: Wacholderbeeren gehören traditionell zu allen schwer verdaulichen Speisen wie Sauerkraut und Festtagsbraten und machen sie bekömmlicher.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde
Universitätsspital Zürich

Walnuss

Weihnachtliches für die Haut

Jetzt kommt die große Zeit der Walnuss. Mit Ingwer, Rosinen, Mokka oder Apfel lässt sich die Frucht prächtig im Weihnachtsgebäck verbacken und gibt ihm eine leicht bittere und zahnknackige Note. Und sie ist gesund: Der Genuss der Nuss hält Blutgefäße elastisch und beugt so verschiedenen Herzkrankheiten und Arthrose vor. Kinder lieben sie, in Gold gehüllt, als Baumschmuck zu Weihnachten, die Kirche hält sie für ein Sinnbild für Jesu Leiden, der Volksglaube macht ein Fruchtbarkeitssymbol daraus, und das zuständige Kuratorium ernannte den Baum gar 2008 zum „Baum des Jahres“. Den Heilkundigen hingegen interessieren vor allem die Blätter der Walnuss. Diese nämlich können das eine oder andere Hauptproblem lösen oder zumindest lindern. Ob die innere Anwendung eine solche Therapie unterstützt oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander – die äußerliche Anwendung zumindest ist in der Schulmedizin unbestritten.

Unser Tipp: Walnuss


Das fette Walnussöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren. Diese sollen den Feststoffwechsel günstig beeinflussen. Walnüsse sind aber auch sehr sättigend. So ist das abendliche Nüsseknacken für die Linie sehr zu empfehlen.

Aus der Mode gekommen, aber ebenfalls zu empfehlen: Oberflächliche Hautentzündungen (Dermatose), Ekzeme, Wunden, Akne oder übermäßige Schweißbildung – gegen diese Erkrankungen ist das Walnussblatt ein geeignetes Mittel, denn es mildert Juckreiz, Pilz- und Bakterienbildung auf der Haut und fördert eine glatte Narbenbildung. Walnuss-Abkochungen, oft mit Eichenrinde, werden auch in Anti-Hämorrhoiden-Bädern eingesetzt oder für Mundspülungen gegen Entzündungen im Rachen. Und laut Volkstradition wirkt die Walnuss doppelt gut, wenn man – zusätzlich zur Behandlung mit walnussblattgetränkten Umschlägen – auch Tee aus den Blättern des Baumes trinkt. Vorsichtig dosieren, die Gerbstoffe können Übelkeit verursachen.

Tipp am (Weges-)Rande:
Mäuse, Eichhörnchen und Krähen ernten die Früchte ebenso gern wie Menschen und vergraben sie für schlechte Zeiten. Dann vergessen sie das Versteck, und so wachsen junge Walnussbäume nach. Ein großer Vorteil für die Natur, denn die Bestände sind in den vergangenen 50 Jahren stark zurückgegangen. In der Schweiz, wo man darüber Buch führt, um ganze 75 Prozent.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde
Universitätsspital Zürich

Weide

Lebt nah am Wasser und stillt den Schmerz

Kennen Sie ein Wort mit Purpur, Reif, Trauer oder Silber am Anfang? Die Antwort ist: Weide, ein oft bizarr geformter und irgendwie morbid wirkender Baum oder Strauch mit biegsamen Zweigen, der hierzulande nah am Wasser lebt und je nach Sorte Kätzchen statt Blüten treibt. Dass seine Rinde gegen Schmerzen hilft, ist altbekannt. Tatsächlich ist einer der wirksamen Stoffe aus der Weidenrinde – das Salicin – Vorbild für das bekannteste synthetisch hergestellte Kopfweh-Medikament Aspirin. Darüber hinaus ist die Weide in der Mythologie unheimlich, urweiblich und dem Unterbewusstsein verbunden; vermutlich durch ihre Vorliebe für sumpfige Standorte. Diese Eigenschaft macht sie wiederum jedem Wasser-Fan sympathisch – also auch allen Freunden des Kneippschen Gesundheitskonzepts. Denn dieses setzt ja in hohem Maße auf die heilsame Wirkung des Wassers und meint damit nicht nur Wassertreten und wechselwarme Güsse, sondern auch den Gebrauch von Wasser als Träger heilsamer Pflanzenstoffe etwa im Vollbad oder im Tee.

Unser Tipp: Weidenrinde

Angesagt ist ein Weidenrindentee bei Kopf-, aber auch anderen Schmerzen, beispielsweise wenn man bei Grippe oder Fieber das Gefühl hat,
einfach alles tut weh, oder bei entzündlich verursachten – etwa rheumatischen oder gichtigen – Beschwerden oder den klassischen chronischen Spannungsschmerzen im Nacken oder Rücken. Der Tee schmeckt scheußlich weil bitter und zieht einem die Schleimhäute zusammen. Aber dafür hemmt das Getränk gezielt Entzündungsprozesse und treibt außerdem Harn und Schweiß vermehrt aus dem Körper, was den Heilungsprozess zusätzlich fördert. Ein weiterer Vorteil gegenüber chemischen Alternativen wäre, dass bei normaler Dosis der Magen unbelastet bleibt.
Hochdosierte Extraktpräparate enthalten durchaus höhere Wirkstoffmengen. Dabei sind wässrige Extrakte (Proacktiv®) sinnvoll, die neben den Salicin-Verbindungen auch die magenschützenden und radikalfangenden Procyanidine enthalten.

Für den Tee ein bis zwei Teelöffel Rinde mit einer Tasse Wasser übergießen. Zehn Minuten ziehen lassen und bis zu drei Tassen pro Tag nehmen.

Äußerlich angewendet hat Weidenrinde die Tendenz, Haut aufzuweichen. Daher empfiehlt sie sich z.B. im Einsatz gegen Hühneraugen oder Schwielen etwa als Beigabe im Fußbad.

Kneipp: „Bei allen Warmbädern benutze ich nie oder höchst selten Warmwasser allein, ich mische stets Absud von verschiedenen Heilkräutern bei.“

Tipps am (Weges-)Rande:
Abgesehen von der Rinde ist die Weide mit ihren vielfältigen Sorten auch sonst ein nützliches Wesen: Die jungen Weidenruten finden in der Korb- und Besenflechterei Verwendung, das Holz der größeren Baumsorten eignet sich für Industrie und zum Verheizen, zumal die Bäume schnell wachsen und somit die Produktion vergleichsweise wenig Aufwand kostet.

Ihr Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde
Charité Universitätsmedizin Berlin

Weissdorn

Herzstärker von Weltruf

In Parks und Gärten, als traditionelle Heckenpflanze, außerdem als ökologisch wichtiger Insektenliebling mit üppig hübscher Blütenpracht hat es der Weißdorn auf der Beliebtheitsskala der Bäume ziemlich weit gebracht – und das nicht nur in Europa. Über all die vielen Vorteile hinaus zeichnet ihn eine Eigenschaft aus, die ihn Tausenden von Herzpatienten lieb bis unentbehrlich macht: Er stärkt das Herz.

Unser Tipp: Weißdorn

Weißdorn – in Form von verarbeiteten Blüten, Blättern und Früchten - steigert einerseits die Kontraktionskraft des Herzens und erweitert andererseits die Gefäße, so dass der Herzmuskel mitsamt den Herzkranzgefäßen besser durchblutet wird. Darüber hinaus macht Weißdorn das Herz gegenüber Sauerstoffmangel widerstandsfähiger und mindert so die Stressanfälligkeit. Über diese Wirkungen sollen schon die amerikanischen Indianer und die Alten Chinesen Bescheid gewusst haben.

Geerntet werden zwischen Mai und Juni die Zweigspitzen mit Blättern und/oder Blüten, im August und September die roten Früchte. Alles zusammen eignet sich für Tee, Tinktur, Extrakt, Kombi- und Einzelpräparate. Die positive Wirkung bei leichter Herzinsuffizienz ist in Studien nachgewiesen und geht mit dem Vorteil einher, dass kaum nennenswerte Unverträglichkeiten, Neben- oder Wechselwirkungen auftreten. Damit ist Weißdorn ein ausgezeichneten Mittel bei Altersherz. Man empfiehlt ihn auch als unterstützendes Heilmittel, wenn jemand mithilfe synthetischer Medikamente seine Herzkrankheit therapiert. Ob nervös oder geplagt von Kreislauf-, oder Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Schlaflosigkeit: Weißdorn soll stabilisieren und auch vorbeugend gute Dienste leisten.

So macht man den Tee: 1 - 1,5 Gramm feingeschnittenen Weißdorn (Blüten, Blätter) mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen. Täglich bis zu vier Tassen trinken.

„Bei der menschlichen Natur ist das Wichtigste, um gesund und ausdauernd zu sein, dass der Blutumlauf im ganzen Körper in Ordnung ist. Man kann sagen: der wird wohl zu den Glücklichsten gehören, bei dem keine Blutstörungen stattfinden. Es wird aber auch kein Unglück für den Menschen geben, das größer sein kann, als wenn der Blutlauf in große Unordnung geräth.“ Sebastian Kneipp

Tipp am (Weges-)Rande:
Auch kneippsche Wasser-Anwendungen wie das Wassertreten oder das kalte Armbad stärken das Herz und sind für ihre vorbeugende Wirkung berühmt.

Spezialist des Kneipp-Bund e.V.
Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Inst. Naturheilkunde - Universitätsspital Zürich


5 Elemente der Kneipptherapie
Kneippīsche Anwendungen